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Rote Karte für die Intrigantin

Ballett "Gefährliche Liebschaften" am Landestheater Rote Karte für die Intrigantin

Ein Tanzabend über die intriganten Liebschaften der Pariser Aristokratie am Vorabend der Französischen Revolution verspricht opulente Bilder und eine Palette von Emotionen zwischen Liebe, Leidenschaft und tödlichem Hass. In ihrem Ballett Gefährliche Liebschaften nach dem gleichnamigen Briefroman von Choderlos de Laclos will Katharina Torwesten die zweifelhafte Moral dieser Gesellschaft entlarven und in die Herzen jener schauen, die mit der Liebe spielen und daran zugrunde gehen. Die Premiere im Landestheater in Flensburg traf zweifellos den Nerv des Publikums – am Ende gab es stehende Ovationen.

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Gefährliche Liebschaft: Timo-Felix Bartels als Valmont umgarnt Anja Herm als Marquise de Merteuil.

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Flensburg. Auf der von Arkaden umfangenen Bühne, deren Segmente sich durch geschlossene rote Vorhänge in sündige Separées verwandeln lassen (Ausstattung: Erwin Bode), inszeniert die Ballettchefin die durchtriebenen Machenschaften der Marquise de Merteuil in historischem Gewand – nach dem Muster des klassischen Handlungsballetts. Viele pantomimische Elemente und bedeutungsvolle Blicke gibt es da und als der Pakt mit dem eitlen Womanizer Vicomte de Valmont eingefädelt wird, lesen Stimmen aus dem Off die entsprechenden Texte ein. Über Sinn und Zweck des weiteren Bühnengeschehens bleiben danach keine Fragen offen. Und so darf man sich an neckischen Szenen weiden, in der die kindliche Cécile (Tamirys Candido) ihr Herz an den schüchternen Chevalier Danceny (Enkhzorig Narmandakh) verliert, während sich beider Hände beim Harfenspiel in putzig stilisierter Zufälligkeit berühren. In der Verführungsszene mit Valmont, die Torwesten als egomanes Spiel mit gewaltsamen Zügen anlegt, ist jede Niedlichkeit vergessen. In einem emotionsgeladenen, durch die kraftvolle Bewegungssprache des modernen Tanzes geprägten Pas de Deux sehen wir weniger den übertölpelt verknallten Backfisch als eine verzweifelte junge Frau, die sich wie eine Puppe in ihr Schicksal fügt.

 Wie die Bewegungssprache wechselt auch die Musikauswahl zwischen Klassik und Moderne. Von Antonio Vivaldi und Christoph Willibald Gluck bis Alfred Schnittke und Hollywood-Komponist Hans Zimmer sind es vor allem die zeitgenössischen Kompositionen, die die emotionalen Schlüsselmomente tragen. Und davon gibt es in der Geschichte genug. Timo-Felix Bartels als Valmont spielt mit verächtlicher Lässigkeit auf der Klaviatur des selbstgefälligen Verführers und lässt mit übertrieben devoter Gestik in seinem Werben um die tugendhafte Madame Trouvel humorvolle Momente aufblitzen. Sein geschmeidiger Pas de Deux mit der ausdrucksstarken Anna Schumacher ist pure Harmonie.

 Die innere Wandlung Valmonts zum aufrichtig Liebenden wird indes weniger deutlich, und so scheint sein Freitod in der sportiven Fechtszene mit Danceny nicht recht plausibel. Ein eindrucksvolles Bild gelingt der Choreografin, wenn die Marquise (böse lächelnd hinter schwarzem Fächer: Anja Herm) am Ende die Quittung für ihr maliziöses Spiel erhält. Hinter kopflos in den Arkaden ausgestellten Kostümen treten die Tänzer hervor. Mit roten Briefen in der Hand, die den wahren Charakter der eitlen Strippenzieherin entlarven, umringen sie die sich windende Marquise in enger werdenden Kreisen. Rote Karte für die Intrigantin – rauschender Applaus für Tänzer und Choreografin.

 Weitere Vorstellungen: heute, Dienstag, Itzehoe, 19.30 Uhr; 5.5. Flensburg 19 Uhr; 14.5. Rendsburg 19.30 Uhr; 27.5. Flensburg, 19.30 Uhr; 4.6. Flensburg, 19.30 Uhr. Karten: www.sh-landestheater.de

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