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Nostalgische Reise zurück zu den Wurzeln

Katie Melua in Kiel Nostalgische Reise zurück zu den Wurzeln

Am Freitag, 14. Oktober, erscheint nun das stimmungsvolle Album „In Winter“ mit eigenen und traditionellen Songs von Katie Melua. Aufgenommen mit dem Gori Women’s Choir aus Katie Meluas alter Heimat Georgien, der sie auch beim Konzert in der Kieler Sparkassen-Arena polyphonisch begleiten wird.

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Katie Melua, gebürtige Georgierin und als Kind ausgewandert nach Nordirland, lebt in England.

Quelle: Josh Shinner

Kiel. Sie waren erst 19 Jahre alt, als 2003 Ihr Debütalbum „Call Off The Search“ erschien, an die Spitze der britischen Charts kletterte und sich dann in vier Monaten eine Million Mal verkaufte. Wissen Sie noch, wie Sie diesen enormen Karrieresprung empfunden haben?

 Katie Melua: Ja, das war seltsam. Das Album stieg im November auf Platz 40 ein, rutschte dann auf Platz 80 ab. Im Januar packte ich gerade für einen Flug zur Musikmesse Midem in Cannes, Mama machte Frühstück, da rief mein Manager an: ‚Dein Album ist auf Platz eins.‘ Ich sagte: Großartig!‘ Ich war total aufgeregt, aber es war nur ein weiterer Morgen. (lacht)

 

  Welchen Rat würden Sie heute der Katie von damals geben?

 Arbeite einfach an der Musik. Das wäre alles.

 

  Gab es andere außergewöhnliche Erfahrungen, die Sie besonders beeinflusst haben?

 Mich von einer Musikstudentin in einen Pop-Star zu verwandeln war nicht annähernd so schockierend wie mein Umzug als georgisches Kind nach Belfast. Plötzlich wurden alle meine Optionen größer: Karriere machen, mein Leben selbst gestalten, ein heißes Bad, ständig Strom.

 

  Ist Winter eine fruchtbare Zeit für Nostalgie?

 Auf jeden Fall.

 

  Wie in „Plain Song“?

 Ja, genau. Es ist die Zeit, wenn alles langsamer wird. Ich habe viel über meine Kindheit, meine Familie nachgedacht. Es war wichtig, solch einen Song auf dem Album zu haben.

 

  Wo haben Sie den Gori Women’s Choir zum ersten Mal gehört? War das Zufall?

 Ein bisschen zufällig. Ich habe nach georgischen Musikern recherchiert und den Chor auf Spotify gefunden, ein sehr schönes, sehr spezielles Album namens „Archaica“ – moderne klassische Musik. Das polyphone Singen ist ein Unesco-Welterbe. Die Herausforderung bestand darin, wie ihre und meine Art von Musik zusammenkommen könnten.

 

 Ist „In Winter“ als ihr ambitioniertestes Album bisher?

 Die kurze Antwort ist: Ja. Aber ich versuche davon wegzukommen, mich als romantische Version eines Künstlers zu sehen. Ambitioniertestes Album klingt so pompös. Die einzige Frage ist: Taugt die Arbeit was?

 

 Waren Sie je zuvor in Gori?

 Nein. Es war sehr interessant, weil Gori so war wie Georgien, als ich es verlassen habe.

 

 Zurück zu den Wurzeln?

 Aber ja! Ich glaube, der Grund warum das Album so persönlich klingt, ist, dass ich gelernt habe, dass Musik zu machen, die großartig ist, aufrichtig und ehrlich sein muss.

 

 Was war die größte Herausforderung bei den Aufnahmen im Kulturzentrum von Gori?

 Wie würde der Chor die Kopfhörer annehmen? Denn „Archaica“ war ein Live-Album. Hat aber ganz schnell geklappt. Doch beim dritten Take hörten wir plötzlich so ein Wummern. Wir schauten nach. Ein Stock tiefer im Konzertsaal feierte eine Hochzeitsgesellschaft. Der Metzger war gekommen, um das Fleisch zu zerteilen. Es war auch ein Spielplatz in der Nähe. Am Ende von Rachmaninows „O Holy Night“ hört man noch immer Kinder schreien.

 

 Auf dem Album ist reichlich Hall, wie in einer Kirche.

 Vielleicht eine Kirche, vielleicht auch ein Berg aus Schnee. (lacht) Ich war zum ersten Mal Co-Produzent. Ich folgte meinem Instinkt, was ich klanglich mag. Ich war immer ein großer Fan von Hall, es fügt eine interessante Ebene hinzu.

 

  Sie haben vier fertige Songs aus Gori mitgenommen. Woher wussten Sie, dass diese vier ausreichen, um Sie zu weiteren zu inspirieren?

 Das wusste ich nicht. Als ich nach England zurückkam, war ich darauf gefasst, dass mein Team sagen würde, die Songs seien großartig, aber zu seltsam, sie würden nicht funktionieren. Ich hielt den Atem an, als ich im Büro auf „Play“ drückte. Als ich auf „Stopp“ drückte, blickte ich in glänzende Augen und dachte: eine Stufe weiter.

 

  Der kniffligste Track war ...?

 Rachmaninow war richtig schwierig. Vor allem, die Kraft des Chores zu zügeln.

Konzert am, 7. November um 20 Uhr in der Sparkassen-Arena-Kiel.

Interview: Thomas Bunjes

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