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Eine Frau in Bewegung

Katrin Bauerfeind im Studio-Kino Eine Frau in Bewegung

Katrin Bauerfeind zählt zu den Protagonistinnen der Generation Z des deutschen Fernsehens. Als talentiert erkannt in einer Zeit, in der das lineare Schauen noch Standard war, wurde sie prominent in der noch andauernden Folgephase, über die man genau genommen nichts Genaues sagen kann. Außer vielleicht, dass reine Fernsehkarrieren gestern deutlich besser funktionierten als heute.

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Wenn schon, dann würde sie sich als „Humorfeministin“ kategorisieren, bekannte Katrin Bauerfeind im Studio.

Quelle: "Oliver Stenzel, ost"

Kiel. Wie viele ihrer TV-Peers reagiert Bauerfeind auf diese Situation mit Flexibilität, ist auf 3sat weiterhin mit ihrer Sendung „Bauerfeind assistiert“ am Start, haut aber auch mal eben ein Buch raus, wenn im Terminkalender gerade Lücken zu füllen sind. Nachdem ihr Erstling Mir fehlt ein Tag zwischen Sonntag und Montag: Geschichten vom schönen Scheitern prompt zum Bestseller wurde, widmet sie sich in seinen Nachfolger Hinten sind Rezepte drin: Geschichten, die Männern nie passieren würden (Fischer Verlag) dem neuen Thema nach dem altem Rezept. In den darin befindlichen Kolumnen über das Frausein halten sich schreiberischer Pragmatismus und Kreativität die Waage. Einerseits basieren ihre Themen und Pointen größtenteils der Ebene der ersten Einfälle, also dem, was einer Handvoll Brigitte-Praktikantinnen wohl auch so in den Sinn kommen würde, wenn man sie zum Brainstorming bitten würde. Andererseits wird Katrin Bauerfeind immer wieder von der eigenen Chuzpe überholt, so dass ihre Texte dann doch irgendwie originell gratiniert erscheinen.

 Diesen Effekt boostet die Autorin am Donnerstag bei ihrer Lesung im bestens besuchten Sudio-Kino maximal. Denn Lesung ist hier eigentlich der falsche Begriff. Auf der Bühnenpräsenz, mit der Katrin Bauerfeind ihre Kolumnen vorträgt, würde mancher Comedian heute eine ganze Karriere aufbauen. Wenn sie sich mit rauchiger Hangover-Stimme rhythmisch durch die eigenen Texte slammt, in das stete Giggeln und Johlen ihrer vorwiegend weiblichen Zuhörerinnen ihre berühmte Dreckslache mischt, fühlt man sich unabhängig vom faktischen Witzniveau hervorragend unterhalten. Und wenn sie zwischen ihre Betrachtungen zur weiblichen Harmoniesicht, dem ewigen Thema „Frauen und Schuhe“ oder dem Problem der „Gebärdienstverweigerung“ kleine Quizspielchen mit dem Publikum treibt, scheint der Performance-Level einer Carolin Kebekus nicht weit.

 Die Sitznachbarin glaubt, dass Bauerfeinds Buch vielleicht was für den Urlaub wäre, weil man bei der Lektüre wohl nicht so viel nachdenken müsse. Da fällt einem nach zwei Stunden Showtime erstmals wieder ein, dass zwischen Problemen und Lösungen heute oft nur ein kleiner Unterschied liegt.

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