15 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
Wer Ideen hat, kann kommen

Kaweh Kordouni und das Café Godot Wer Ideen hat, kann kommen

Wenn Kaweh Kordouni lacht – und das tut er oft –, dann lacht er über das ganze Gesicht. Auch wenn gar nicht alles, was er zu erzählen hat, unbedingt zum Lachen ist. Doch der gebürtige Iraner ist ein überaus freundlicher Mensch, der zunächst immer das Gute in seinen Mitmenschen vermutet. Etwa, wenn es darum geht, neue Mitglieder in seine Kartei von Film- und Theaterschaffenden aufzunehmen.

Voriger Artikel
Von der Wertigkeit der Dinge
Nächster Artikel
Verwandlung als Programm

Kaweh Kordouni bietet im Café Godot ein vielfältiges Kulturprogramm.

Quelle: Beate Jänicke

Kiel. „Crew Funding“ nennt er das und vertraut auf die wahrheitsgemäßen Angaben der Interessierten. Ob Regieassistent oder Cutter, 120 Namen hat er bereits gesammelt. „Wer Interesse hat oder Leute für Projekte sucht, kann sich bei mir melden“, sagt Kordouni. Nur eine von vielen Ideen zur künstlerischen Vernetzung, die der 41-jährige Autor, Regisseur, Übersetzer und Cafébetreiber mit viel Energie vorantreibt.

Während seiner Jugend in der Millionenstadt Teheran sehnte er sich früh nach Freiheit und Selbstständigkeit. Bereits mit 18 Jahren zog er zu Hause aus, ein ungewöhnlicher Schritt in seiner Heimat. Kunst und Kultur interessierten ihn. Durch eine Zufallsbekanntschaft kam er in Kontakt mit der deutschen Literatur, Bücher, die es damals im Iran meist nur in Antiquariaten gab. Kordouni beschließt, Germanistik zu studieren, um sie im Original zu lesen. Später verfasst er Übersetzungen verschiedener Werke, etwa von Kafka, Brecht und Wolfgang Borchert in der Landessprache Farsi. „Frei denken, frei schreiben und frei sprechen war mein Ziel“, so Kordouni. Auch eigene Texte schreibt er. Doch die Zensur ist strikt. 2002 beschließt er darum nach dem Diplom in Deutschland weiter zu studieren. Was folgt, ist ein kleiner Kulturschock: „Ich kannte ja alles nur aus Romanen der 60er- und 70er-Jahre und dachte, hier wird ständig tiefsinnig debattiert. Stattdessen wurden Parties an der Uni gefeiert“, erzählt Kaweh Kordouni und schmunzelt. Als 2010 die „Grüne Welle“ eine politische Aufbruchstimmung im Iran verheißt, geht er noch einmal für zwei Jahre zurück: „Ich wollte dabei sein, mitwirken, war auf vielen Demos und habe Knüppel gespürt.“

"Ich habe mir einen Traum erfüllt"

Die Proteste werden niedergeschlagen. Kordouni dreht in dieser Zeit den ersten Teil seines auf sieben Teile angelegten Kurzfilmzyklus’ zu seinem „Lieblingsthema“, der „Rolle von Zufällen im Schicksal der Menschen“: „Ich habe heimlich gedreht. Dafür konnte man fünf Jahre Gefängnis bekommen.“ Der Film On This Monday lief 2013 beim Bayreuther Filmfest. Der zweite Teil, An diesem Sonntag, wurde in Deutschland gedreht und 2014 auf den Nordischen Filmtagen in Lübeck gezeigt. Die Dreharbeiten zum dritten Teil sind für diesen Sommer in Luxemburg geplant. Doch viel Zeit für die Vorbereitungen hat Kordouni momentan nicht: „Ich habe mir einen Traum erfüllt und ein Café aufgemacht. Es soll ein Treffpunkt sein für Künstler, aber auch für alle anderen.“

Seit etwa einem Jahr hat das Café Godot in der Gutenbergstraße geöffnet. Und Kaweh Kordounis Plan, Menschen mit kreativen Projekten zusammenzubringen, trägt erste Früchte: Es gibt regelmäßige Autoren-, Filmemacher- und Illustratoren-Stammtische, Vernissagen, Lesungen, Theater- und Quizabende. „Wer eine Idee hat, kann kommen, und dann gucken wir, ob sie machbar ist“, meint Kordouni. Früher schrieb er gerne selbst seine Geschichten und Drehbücher in Cafés. „Mein Plan war eigentlich, das auch in meinem eigenen Café zu tun“, sagt er und lacht. „Hat nicht ganz geklappt. Ich arbeitete 100 Stunden die Woche, da bleibt nicht viel Zeit.“ Aber irgendwie wird er sie sich dann doch nehmen, denn der nächste Drehtermin kommt bestimmt.

Café Godot, Gutenbergstraße 18, www.cafe-godot-kiel.de

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3