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In der Erinnerung kramen

Kunst im Atelierhaus In der Erinnerung kramen

Eine lange Tischreihe mit ausgelegtem Material hat Anne Steinhagen mitten in den Ausstellungsraum des Atelierhauses im Kieler Anscharpark gestellt. Ein paar weißer Baumwollhandschuhe liegt bereit, denn der Betrachter darf hier eintauchen in einen eigenwilligen Ort der Erinnerung.

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Vom Sammeln und von flüchtigen Momenten: Anne Steinhagen im Atelierhaus an Arbeitstischen, auf den Fotosammlungen ausgebreitet sind.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. Unter dem Titel Keep me safe zeigt die Muthesius-Absolventin, die 2013 ihr Masterstudium in der Medienklasse von Arnold Dreyblatt abgeschlossen hat, jetzt das Ergebnis ihres zweijährigen Projektstipendiums. Rainer W. Ernst hatte die mit der Graduiertenförderung vergleichbare Unterstützung in seiner Amtszeit als Muthesius-Präsident auf den Weg gebracht. Sie sicherte Anne Steinhagen die finanzielle Unabhängigkeit für die Realisierung ihrer umfangreichen Arbeit, die sie jetzt mit einer Ausstellung abschließen kann.

Keep me safe – die drei Worte klingen wie eine sehr persönliche behutsame Aufforderung, sorgsam zu sein, die Dinge sicher zu verwahren. Zu diesen Dingen gehörten für Anne Steinhagen auch die hinterlassenen Herbariumsblätter und Fotografien ihrer Mutter – letztere analoge Bilder, mit der Spiegelreflexkamera aufgenommen. Bewusst ungeordnet die Motive, unzählige konventionelle Reiseeindrücke, andere seltsam beiläufige Momentaufnahmen, manche einfach nur rätselhaft.

Es scheint kaum ein System zu geben in dieser installativen Arbeit, die sich über drei Räume erstreckt. Allenfalls eine Spur. Anne Steinhagen klammert sie in drei Fragmente, nämlich „Sammlung“, „Präparat“ und „Fotografie“. Eine lose Klammer, die bei näherer Betrachtung enthüllt, dass hier alles mit allem zusammenhängt. So wirkt Steinhagens künstlerischer Kosmos wie eine vielgestaltige Mischung aus Archiv und Dokumentation, als Materialsammlung, die akkurate Ordnungsstrukturen vorgibt, deren Sinn aber seltsam ins Leere läuft. Und flugs ertappt man sich als Besucher dabei, dass man neugierig und auch eine Spur voyeuristisch eintaucht in das Leben der Anderen.

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