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Der Geschmack von Salz, See, Sand und Sehnsucht

Keike Faltings und Cathy Jordan im Kulturforum Der Geschmack von Salz, See, Sand und Sehnsucht

Einen fantastischen Abend voller Melancholie und Schönheit aber auch Witz, Esprit und Rhythmus schenkten mit Keike Faltings und Cathy Jordan zwei außergewöhnliche Sängerinnen und ihre musikalischen Begleiter den Zuhörern im ausverkauften Kulturforum.

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Keike Faltings tauchte im Trio mit Antti Järvelä und Susanne Paul tief ins musikalische Erbe ihrer Vorfahren und Landsleute ein.

Quelle: Manuel Weber: mwe

Kiel. Die Sängerin Keike Faltings, steht als Hauskünstlerin im Mittelpunkt des Folk-Baltica-Festivals, das sich in diesem Jahr mit dem mehr als zutreffenden Titel „Stimmen“ schmückt. Aber nicht nur die charmante Sängerin und Geigern von der Nordseeinsel Föhr sollte das Publikum am Abend mit wundervoller Musik betören. Als zweite Attraktion gab sich Cathy Jordan, Folk-Fans von der weit gereisten irischen Gruppe Dervish ein Begriff, die Ehre.

 Spöören heißt das Debütalbum von Keike Faltings Band Kalüün und wandelt auf den Spuren der traditionellen, oft sehr alten und beinahe vergessenen Balladen und Tanzstücke der Insel Föhr. Folgerichtig standen die vielgestaltigen Songs der Platte im Mittelpunkt des Konzerts. Allerdings präsentierte sie Faltings mit einem extra für die Folk-Baltica gegründeten Trio, dem neben ihr der finnische Multiinstrumentalist Antti Järvelä und die deutschen Groove-Cellistin Susanne Paul angehören. Tief taucht Faltings in das musikalische Erbe ihrer Vorfahren und Landsleute ein, singt die meisten Lieder auf Friesisch und erzählt wunderbare Geschichten, die alle nach Salz, See, Sand und Sehnsucht schmecken. So wie der lustige Opener Der Walfisch Waldemar (über die Liebe eines Wals zu einem Delphin) oder eine besonders schöne Fassung des deutschen Volkslied-Klassikers Die Gedanken sind frei. Aber auch mit Eigenkompositionen wie das zauberhafte Das neue Pfingstkleid konnte die Frau mit der charaktervollen, klaren Stimme restlos überzeugen.

 „Lieder von Küste zu Küste“ war der Untertitel des Doppelkonzerts und dieses Motto ist – zumindest geografisch – tatsächlich weit gefasst. Denn Cathy Jordan brachte nun Impressionen von der Küste Irlands zum Klingen. Musikalisch indes greifen die beiden Programmpunkte äußerst harmonisch ineinander. Denn auch Jordan konzentrierte sich bei ihrem Soloalbum All The Way Home auf die musikalischen Schätze und Traditionen ihrer Heimat. Produziert wurde das Werk vom schwedischen Top-Gitarristen Roger Tallroth, der auch jetzt mit auf der Bühne sitzt.

 Wie bei Faltings dominiert ein direkter, frischer authentischer Sound, elektronische Klang-Szenerien und Effekte der Marke Enya sucht man beim Duo Jordan&Tallroth vergeblich. Stimmlich kann sich Jordan gerade aufgrund ihrer sehr biegsamen, kraftvollen Phrasierung aber durchaus mit dem Superstar der grünen Insel messen. Das Konzert startet mit leisen Balladen wie The Bold Fenian Men, In Curraghroe oder The Road I Go. In der zweiten Hälfte, wenn Jordan zur irischen Rahmentrommel Bodhrán greift und Songs wie The River Field Waltz singt, möchte man zum Tanz aufspringen. Bei The Banks Of The Foyle begleitet sich Jordan gar auf einem speziellen Akkordeon, dem sie nach eigenem Bekunden aber „only one Note“ entlocken kann. Klingt trotzdem toll, und außerdem ist der hervorragende Gitarrist Roger Tallroth ja auch noch da.

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