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Die große Ekstase blieb aus

Konzert in der Schaubude Die große Ekstase blieb aus

"Keine Zähne Im Maul Aber La Paloma Pfeifen" haben es immer noch drauf: In der Schaubude feierte das Kieler Trio die Re-Releaseparty ihres ersten, neu auf Vinyl aufgelegten Albums.

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 Keine Zähne im Maul aber La Paloma Pfeifen live in der Schaubude zur Re-Releaseparty ihres ersten, neu auf Vinyl aufgelegten Albums.

Quelle: Manuel Weber

Kiel. Ist das noch Punk? In einer Zeit, in der die musikalischen Grenzen ohnehin immer mehr verschwimmen, haben sich "Keine Zähne Im Maul Aber La Paloma Pfeifen" ihre Nische geschaffen. Ihr höchst eigenwilliger Stil denkt zwar den Punk, die Musik deutet ihn allerdings nur an. Nun erscheint ihr erstes Album aus dem Jahr 2008 noch einmal auf Vinyl. Das wird mit einer Reise durch die Diskographie des Kieler Trios in der prächtig gefüllten Schaubude gefeiert. Die gestandenen Alt-Herren Punks haben es schließlich immer noch drauf.

Sänger und Gitarrist Jochen Gäde führt launisch durch den Abend, sagt Songs mit „Machen“ an, plaudert aus dem Nähkästchen. Wobei, die Songs enthalten eine ordentliche Portion Melancholie. Prüne 14 beginnt balladesk, entspinnt eine eingängige Melodie, Schnee Schieben hingegen reiht sich eindeutig im Elektro-Punk ein und Subunternehmer ist geradeaus treibender Deutschrock. Es scheint, als hätte die Band alles zu verarbeiten versucht, was die Bandmitglieder jemals gehört haben. Dabei kommt manchmal Stückwerk zustande, dann wieder ein forscher Sound, der oft von Bassist Lars Stuhlmacher getragen wird während Steffen Frahm mal Schlagzeug, mal Gitarre bedient und Jochen Gäde bei den Texten spicken muss.

Die große Ekstase im Publikum bleibt zwar aus, was aber nicht bedeutet, dass der Funke nicht überspringt. Es fällt leicht sich mit der Band zu identifizieren. Die Songtexte richten sich unterschwellig gegen die Konventionen, setzen Nadelstiche. Ansonsten geben sie sich lässig und Steffen Frahm findet: „Konsumkritische Post-Punk Musik kommt gut in der Vorweihnachtszeit.“

Noch etwas weniger Punk bot zuvor Support Knarf Rellöm mit Deejay Pattex. Die Musik aus der Konserve, skurrile Outfits. Ein minutenlanger Techno Bass hat Berghain-Charakter, den Text ins Mikro geredet und im Refrain immer wieder die Zeile: „I heard a bassline.“ Es folgt mit I Wanna Be Like You eine Roots-Reggae Anleihe. Einfache Mittel, großer Effekt und keine Schublade. Knarf Rellöm stammt aus der Hamburger Schule, veröffentlicht bereits seit 1990 und hat es ebenfalls noch drauf. Auch wenn die Punkmusik weitestgehend umschifft wird: Die Gedanken bleiben Punk.

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