21 ° / 15 ° wolkig

Navigation:
Dieser Cellist war ein Glücksgriff

2. Philharmonisches Konzert Kiel Dieser Cellist war ein Glücksgriff

Ja, es konnte einem am Sonntagmorgen im gut besuchten Schloss Kiel bisweilen spanisch vorkommen – stand doch das 2. Philharmonische Konzert ganz im Zeichen spanisch inspirierter Musik. Mit heißen Rhythmen, tänzerischer Verve, feurigem Temperament und folkloristischem Kolorit versetzten die Kieler Philharmoniker unter Leitung von GMD Georg Fritzsch das Publikum in Begeisterung. Von Anna Struck

Voriger Artikel
Schandmaul erzählte Geschichten
Nächster Artikel
Giselle wohltuend schlicht

Mit herrlich sonorem, biegsam-weichem Celloton ließ der Cellist Benedict Kloeckner sein Instrument singen.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Mit der Verpflichtung des hervorragenden 25-jährigen Cellisten Benedict Kloeckner für Lalos Cello-Konzert war den Kielern ein wahrer Glücksgriff gelungen. Mit herrlich sonorem, biegsam-weichem Celloton ließ er sein Instrument singen, gestaltete das Hauptthema des Allegro maestoso eindringlich-packend und an Intensität schwerlich übertreffbar und die Verflechtung der kontrastierenden Andantino- und Scherzo-Episoden des zweiten Satzes ohne jeden Bruch. Häufiger Augenkontakt mit Dirigent und Konzertmeister sorgten für punktgenaues Zusammenspiel, wobei Fritzsch ihm alle gestalterischen Freiheiten für die lyrischen Passagen des Werkes ließ.

 Kein Wunder, dass sich an das flamenco-angehauchte Rondo begeisterter Applaus anschloss – der mit zwei Solzugaben (Pablo Casals Gesang der Vögel und der Gigue aus Bachs 6. Solosuite) belohnt wurde.

 Zuvor hatten die bestens aufgelegten Philharmoniker in Ravels Alborada del Gracioso (Morgenlied des Narren) Opulenz und überschäumendes Temperament ebenso ausgekostet wie den elegisch-träumerischen Zwischenteil mit schönem Wechselspiel zwischen Solofagott und Orchester. Die für spanische Musik typischen Betonungswechsel sorgten hier wie auch in Ginasteras Tänzen aus dem Ballett Estancia und insbesondere dem fulminantem Danza final für zahlreiches Kopf- und Fußwippen im Publikum.

 Cristóbal Halffters Fandango (der eine ungewöhnlich tonale Seite des Komponisten offenbart) bot schließlich eine attraktive Mischung aus wörtlicher Orchestrierung der Cembalo-Vorlage des spanischen Spätbarockkomponisten Antonio Soler und Halffters eigener Übersetzung des Tanzes in die heutige Zeit. Da wandert Solers Bass-Ostinato durch alle Orchesterstimmen, erklingt im Streicherpizzicato, vom Vibrafon oder in den Bläsern, bis das Stück in einer Coda mit gigantischer Steigerung endet. Verdienter Applaus für diesen imposanten Konzertabschluss.

Das Konzert wird am Montag, 27. Oktober 2014, um 20 Uhr im Schloss Kiel wiederholt. Um 19.15 Uhr beginnt eine Einführung.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
KN-online (Kieler Nachrichten)