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Astronautalis: Wenn der Rap so richtig rockt

Kiel Astronautalis: Wenn der Rap so richtig rockt

„Wenn ihr die Lyrics nicht kennt oder versteht, dann tanzt einfach die Beats mit“, bittet der Rapper Astronautalis zum Tanz. Wer jetzt im Roten Salon der Pumpe denkt, wie denn das bei Hip-Hop gehen soll, abgesehen vom szenetypischen Kopfnicken und Armwedeln, wird rasch eines besseren belehrt.

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Sprunghafter Rapper in Kiels Pumpe: Astronautalis.

Quelle: Michael Kaniecki

Kiel. Denn der MC aus Minneapolis ist kein üblicher Rap-Cowboy, der die Silben locker aus der Hüfte schießt, sondern entpuppt sich als handfester Rock’n’Roller, zuweilen sogar als Swing-Adept oder Singer/Songwriter.

 Vom DJ-Pult oder aus der Konserve kommen Astronautalis’ Beats nur in den Intros, ansonsten legen ein Live-Drummer und ein Gitarrist sich ins rockende Zeug. An Hip-Hop, wie wir ihn kennen, erinnern eigentlich nur Astronautalis’ aggressiv schnarrende Stimme und ihr gelenkiger Flow in der flinken Silbenakrobatik. Das klassische MCing, wie wir es beim Support, dem Kieler Rapper Junjo M und seinen Kombattanten, gerade noch hörten, unterläuft Astronautalis immer wieder, indem er mehr singt als rappt und hip-hop-fremde Genres durchblicken lässt. So darf man zuweilen an Folk-Rock, Americana und selbst Country denken. Oder findet sich nach hitzig gerockten Uptempos plötzlich in Balladen wieder – wie etwa einer Ode auf Dimitri Mendelejew und dessen Periodensystem der Elemente vom jüngsten Album This Is Our Science.

 Auf letzteres hatte schon die Szene-Presse, wenn auch voll des Lobes, so doch erstaunt über die Wandlungsfähigkeit des als „bester MC der Welt“ Geltenden reagiert. Nicht anders im Roten Salon, wo der Tanz des Publikums immer ausgelassener wird, dem Rapper und seiner nicht nur stilistischen, sondern auch buchstäblichen Sprunghaftigkeit folgend. Dass man zu einer seltsam swingenden Nummer, die der blondschopfige Rap’n’Roller als Rhythm’n’Blues-Stück aus ganz alten Tagen ankündigt (nämlich von 1994, da war er gerade 13), sogar steppen könnte, verwundert genauso. Unbedingt im positiven Sinne allerdings, denn jetzt haben Astronautalis und seine Trio-Begleiter das Publikum gänzlich überzeugt. Der eben noch geübte „Hey!“-Chor auf dem Offbeat kommt wie aus einer Kehle. Und immer tanzbarer wird der Stilmix auch, wenn zunehmend Electro-Beats und kratzende Synthie-Sounds den Rock beflügeln.

 So ist am Ende der Vorhang nicht geschlossen, und keine Frage mehr offen, wie Rock’n’Roll und Rap zueinander passen und sich im wilden Tanz vereinigen.

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