21 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Capsaicin gaben letzten Gig in der Schaubude

Kiel Capsaicin gaben letzten Gig in der Schaubude

Den Bandnamen Capsaicin konnte noch nie jemand richtig aussprechen, jetzt prangt er als Banner mit dem „C“ grafisch als Chili-Schote gestaltet ein letztes Mal am Bühnenhintergrund in der Schaubude, wo die Band aus Südholstein nach zehn Jahren ihren Abschied gibt.

Voriger Artikel
„Nabucco“ wird geprobt
Nächster Artikel
Zwickauer Max-Pechstein-Museum erwirbt fünf Werke

Den Bandnamen Capsaicin konnte noch nie jemand richtig aussprechen, jetzt prangt er als Banner mit dem „C“ grafisch als Chili-Schote gestaltet ein letztes Mal am Bühnenhintergrund in der Schaubude, wo die Band aus Südholstein nach zehn Jahren ihren Abschied gibt.

Quelle: Michael Kaniecki

Kiel. So scharf wie die namensgebende Schote, in den Lyrics von Rap-Sänger Philipp Einfeldt aka Junjo M zuweilen aber auch recht entspannt (oder wie es im Jargon passend wortgespielt heißt: „chillend“) gewürzt.
  
 Erst ab Song Nr. 14 von 17 im „Final Countdown“ – „da es uns nach heute Abend nicht mehr gibt, müssen wir jetzt alles raus hauen, damit es überhaupt noch einer hört“ – hat das Quintett eine kleine, heiße Träne im Knopfloch. Davor sind Junjo M (voc./synth.), Frederik Schlender (g.), Alex Fischbach (dr.), Adi Kläs (p.) und Mattis Schröder (b.) noch einmal so superscharf wie die das Alkaloid, nach dem sie sich benannten. Übrigens kein Zufall, dass wir das „Lineup“ hier in der Weise nennen, wie es Jazzbands tun. Denn den Jazz haben die Fünf ebenso gefressen wie den rockigen Funk – und natürlich Hip-Hop, der aber laut Junjo M in „Fakin’ The Funk“ (Ur-Aufführung nah am Ende) auch nur „die erste Affäre“ nach der Jugendliebe des story-telling Rap ist.
  
 Rap und Hip-Hop mit dessen Wurzeln zu verbinden, ist und war nicht neu, doch Capsaicin haben das zu einer eingängigen Perfektion entwickelt. Zumal sie das inzwischen auch schon alternde Genre mit einer gehörigen Dosis Funk aufpeppen – oder sogar pfeffern. Das Gewürz macht den Geschmack, wenn die selbsternannten „Mikrowellensurfer“ oder „Grooveburger“ sich „Derber als die Polizei“ erlaubt aufs Einheizen verlegen. „Mehr Stil als die“ (anderen) attestieren sie sich dabei selbst und zugleich treffend, denn die Combo bewegt sich nicht nur geradezu grazil zwischen den Genres, sie definiert in deren Zwischenräumen ihr eigenes.
  
 Eine „Harte Probe“ mag das manchmal sein, die Differenzen statt einzuebnen betont auszudifferenzieren, aber gerade das macht den funky Drive der Band aus. Was „früher mal cool war“ wie „Weird Dreams“, einer der ersten Songs der Flavour-Funker, ist es in den fetzigen Orgel- und Gitarren-Soli allzumal, denn „funky“ ist hier das neue „cool“. So „Fresh“ (so der Titel des mitreißenden Openers) am Ende zu sein, müsste Capsaicin erstmal jemand nachmachen. Die Supporter, das Kieler MC-DJ-Duo Boris Besser, waren dafür – um mal im maritim, würzig, chilligen Jargon zu bleiben – schon mal die besten Vorschoter.
 

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3