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Euphorisch engagierte Show

Zugezogen Maskulin im Orange Club Euphorisch engagierte Show

„Warum seid ihr so angespannt, wir haben doch grad erst angefangen“, fragen die beiden Deutsch-Rapper Hendrik Bolz alias Testo und Moritz Wilken alias Grim104, springen dabei auf die Monitore, die Worte sprudeln aus ihnen zu dem dreschenden bis schrägen Beat nur so heraus. Nach drei Songs ist der gut gefüllte Orange Club in der Traum GmbH vom Hip-Hop Duo Zugezogen Maskulin überfallartig durchgerüttelt.

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Zugezogen maskulin: Aufpeitschend im direkten Dialog mit den Fans.

Quelle: Michael Kaniecki

Kiel. Grim104 mahnt selbstbewusst: „Spart euch den Applaus auf“ und witzelt mit dem Publikum als zur Ansage von Crystal Meth In Brandenburg Jubelschreie aufkommen: „Freu dich nicht, deine Eltern sind da.“ Bevor es weitergeht stellt Testo sich, Grim104 und DJ Kenji451 vor, der sich mit Geigen Einsätzen in den Vordergrund spielt. Allerdings bleibt es zunächst bei den hektischen Beats. Ebenso zappelig agieren die Rapper auf der Bühne und bringen mit Oranienplatz die Masse erneut in Wallung, doch auch ein gutes Stück Melancholie und angedeutete Tristheit findet in Rotkohl seinen Platz, bis man beim epochal dargebotenen Plattenbau O.S.T. den Refrain einfach mitsingen muss.

 In den laut und drastisch gerappten Texten reden Zugezogen Maskulin nichts schön, ziehen ihre Inspiration aus aktuellen Themen und Alltagsbeobachtungen, wüten in ihren Texten gegen alles, was ihnen nicht passt und falsch erscheint. Sie analysieren und reflektieren mit dem Stilmittel der Übertreibung, was sich in ihrer Kunst genauso wie auf der Bühne niederschlägt.

 Das erwarten auch ihre Fans. Bei Oi kommt die Punk-Attitüde zum Vorschein und ihre Jünger werden zur Wall of Death angestachelt. Sie nehmen gerne an und werden nach Guccibauch mit Champagner geduscht. Für Grim104 ist das eine „geile Überleitung“, denn nach dem Hoch kommt der Fall und so gibt es mit Schiffbruch den x-ten Berlin Verweis. Die Zugabe hat es mit dem Mordaufruf Töte Deinen Boss dann noch einmal in sich, mit Vatermord haben sie zudem ihr aktuelles Album Alles brennt komplett durchgespielt und lassen den Orange Club nach einer euphorisch engagierten Show durchgerockt zurück.

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