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Orgel von St. Nikolaus feierlich geweiht

Entfesselte Klangfantasien Orgel von St. Nikolaus feierlich geweiht

Klangwolken, Trockeneisnebel, Lichtschwaden, Farbflimmern – selten dürfte eine Orgel ähnlich opulent in Dienst gestellt worden sein wie am Sonnabend in der voll besetzten katholischen Propsteikirche St. Nikolaus hinter dem Kieler Rathaus. Weihrauch hing sowieso noch zwischen den Pfeilern, da ja die bischöfliche Weihe des sanierten und erweiterten Instruments unmittelbar vor dem Konzert erfolgt war.

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Regionalkantor Werner Parecker zog in der Uraufführung seines mystischen Oratoriums Tabula Smaragdina alle Register.

Quelle: Axel Nickolaus (Archivbild)

Kiel. Regionalkantor Werner Parecker zog in der Uraufführung seines mystischen Oratoriums Tabula Smaragdina alle Register einer Kopfkino-Ästhetik, um der frisch erstrahlenden Königin auf der Empore im Verbund mit zwei kleineren Schwestern (Interimsorgel und Truheninstrument) sowie den Kieler Philharmonikern mit allerlei Schlagwerk, Harfe und Bläser-Power zu huldigen. Im Zeichen und mit Worten, sogar in der konkretisiert mittelalterlichen Mönchsgestalt der ominösen Alchemisten-Legende Hermes Trismegistos wurden in vier Sätzen die Elemente Erde, Wasser, Luft und Feuer schöpfungsgeschichtlich beschworen. Der 36-jährige Komponist bewies enorme Klangphantasie, ließ es dröhnen, perlen, rauschen und knistern, zeigte mit Mut und Humor keinerlei Angst vor dräuendem Fantasy-Horror, Melodiekitsch oder Klangflächenredundanzen. Neue Musik war das ganz sicher nicht – aber eine fesselnde Breitwand-Filmsoundreise ins Reich des Unterbewussten allemal.

Im noch etwas wacklig erprobten Gefüge stimmten nur manchmal die Hierarchien nicht ganz. Während der Probsteichor geschickt verstärkt seine lateinischen Formeln herbeten konnte, verschwand die unverstärkte Solistin Lesia Mackowycz mit ihren lichten Tönen überwiegend im monströsen Gemurmel der entfesselten Erdgeister. Einen Effekt à la Andrew-Lloyd-Webber- Requiem schuf aber die Einbindung der eindrucksvoll standhaft zarten Kinderstimme der 10-jährigen Viktória Marie Schmidt. Da zeigte Pareckers Widmung des Oratoriums an seinen Sohn berührend plastische Wirkung. Das Publikum reagierte begeistert.

Vor der Pause geschah das, was bei solchen Feierlichkeiten eher üblich ist. Organisten (hier neben Parecker Thies Johannes Albert, Heiner Arden und Norbert Hoppermann) ertasteten sich und den Zuhörern mit möglichst breit gefächertem Repertoire (von Buxtehude bis John Williams’ Jurassic Parc) die Horizonte des Instruments. Fazit: Die Orgel der renommierten Firma Führer ist von den Kieler Spezialisten der Friedrichsorter Firma Paschen zu einem sehr harmonisch abgerundeten Ganzen mit warmen Tönen und weit gestaffelten 3D-Klangräumen aufgewertet worden. Die Orgellandschaft an der Förde hat dadurch weiter gewonnen.

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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