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Letztlich ist doch alles Blues

The 69 Cats in der Räucherei Letztlich ist doch alles Blues

„Gothabilly“ nennt die Allstar-Band The 69 Cats ihre Musik, weil die Schublade halt einen Namen haben muss – und wenn es nur der gemischte aus scheinbar so Verschiedenem wie Gothic und Rockabilly ist.

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Quelle: Michael Kaniecki

Kiel . Schwarz sind sie alle, Goth und Billy, die Jungs auf der Bühne um den Sänger Jyrki 69, der stimmlich als Guns N’ Roses ebenso durchgeht wie als Elvis’ auf „black“ gepimpter Wiedergänger, und nicht zuletzt der größere Teil des Publikums in der Räucherei.
 
Doch die eigentliche Schwärze stammt aus dem Blues. Gerade an diesem ersten Tag nach dem Tod von B. B. King, dem die Cats, die auch in dieser Nacht lichterloh schwarz statt crossover-grau sind, in der Zugabe expliziten Tribut zollen und nicht von Ungefähr mit einem Blues-Klassiker von den Blues Brothers, dem „Peter Gunn Theme“, den Abend eröffnen.
 
„People Are Strange“ von den Doors schlägt in die selbe Scharte, wenn sie in der Sprache der 69 Cats auch noch um einiges düsterer als ohnehin schon im Original in die Tiefe des frühen Gothic Rock geschnitten scheint. Nicht anders Del Shannons „Runaway“, das von den 69 Cats so tiefschwarz getintet wird, dass man wiederum den Blues erkennt, der allem Rockabilly innewohnt. Jyrkis Sonnenbrille deutet es schon an: Wer Licht am Ende all der Gothic-Tunnel sieht, muss sich vor dessen Gleißen schützen – oder es in die Gitarren verlegen. Danny B. Harvey spielt die wie er vermutlich seinen „Black Cadillac“ fährt, nämlich mit Bleifuß auf dem Gaspedal, aber doch wie ein Rallye-Fahrer vor jeder steilen Kurve korrekt bluesig aus- und einkuppelnd. Für den gut geölten Viertakt sorgen Chopper Franklin am zuweilen etwas zu monströsen Bass und Henrik Stendahl an den Drums auf der whiskey-induzierten Überholspur.
 
Obwohl immer wieder als pathos-beladenes Ungeheuer auftauchend aus der Tiefe, tritt das Gothic-Element bei solcher Spielfreude – grandios Harveys Soli, wenn er mit Franklin und Stendahl rein instrumental im Trio spielt – bald in den Hintergrund. Fast „reinrassiger“ Rockabilly bellt, wenn Gast-Starlett Annie Marie Lewis (keine Geringere als die Nichte von Jerry Lee Lewis) die schwarz durchwachsene Bühne bei „She’s Not You“ blondet, zusammen mit Elvis alias Jyrki „back in town“. Selbst wenn solche Camouflage beinahe wie eine Parodie wirkt – wer jetzt nicht tanzt im Gothic-Gewand, ist entweder schon untot, oder tut es spätestens bei „Shake, Baby, Shake“. Okay, bevor das jetzt zur Party ausartet, wird mit „Edge Of Reality“ nochmal auf Elvis’ dunklere Seite überblendet.
 
Und wer hat’s erfunden? Nicht The 69 Cats, die sich hier so trefflich durch die Coversongs rocken, als züchteten sie auf ihrem dunklen Humus ganz neue, nacht-geborene Blüten, sondern letztlich der Blues als Urgrund aller Melangen des Rock’n’Roll. Denn Blues selbst schon verbindet das Düstere mit dem Lichten – und Tanzbaren. Und hat sieben Leben wie jede der 69 Cats.

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