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Zum Fünften ein Heft für Kinder

Kieler-Comic-Magazin Zum Fünften ein Heft für Kinder

Doppeltes Jubiläum bei „Pure Fruit“: Fünf Jahre gibt es das kostenlose Kieler-Comic-Magazin jetzt, und das zehnte Heft erscheint am Nikolaustag. Das soll in der Hansa48 gefeiert werden. Viele Kinder werden erwartet, denn sie sind das Thema und auch die Hauptadressaten der zehnten Ausgabe von „Pure Fruit“.

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Das Team: Gregor Hinz (vorne links), Tim Eckhorst (vorne rechts), Franziska Ludwig und Volker Sponholz.

Quelle: Gregor Hinz

Kiel. „Wenn einer nachrechnen würde, würde er sagen, es sind nur viereinhalb Jahre“, sagt Tim Eckhorst, der mit Franziska Ludwig, Gregor Hinz und Volker Sponholz das Kieler Zeichner- und Illustratoren-Kollektiv bildet, das hinter „Pure Fruit“ steht. „Weil das erste Heft im Frühjahr 2011 erschienen ist. Aber wir nehmen immer den Zeitpunkt, an dem wir uns zusammengerauft haben.“ Die Kieler Comic-Zeichner-Szene ist übersichtlich groß, man kannte sich schon: Tim die Franziska vom Studium an der Muthesius-Kunsthochschule, mit Gregor hatte Tim zusammen Comics ausgestellt und Gregor teilte sich mit Volker ein Atelier. Im Team, beschlossen sie, lässt sich ein Projekt leichter stemmen.

 Gratis ist das Magazin, weil sie keine Lust hatten, in Vorleistung zu gehen. „Wir haben uns gesagt, wir gucken mal, ob wir genug Anzeigen kriegen, damit wir bei Plus-Minus-Null rauskommen und auch nicht durch die Stadt laufen müssen und für ein, zwei Euro Comics verkaufen.“ Auch die Gastzeichner, die gar nicht so oft anfragen wie vom „Pure-Fruit“-Team erwartet, kriegen kein Geld, aber eine Veröffentlichungsgarantie – solange sie „nichts Fragwürdiges“ (Eckhorst) machen. Die in etwa ausgeglichene Bilanz erreicht das Team durch Anzeigen, die es für die Kunden selbst zeichnet.

 Haben sie den Eindruck, dass das Heft als Gratisangebot eine geringere Wertschätzung seitens der Leser erfährt als ein gekauftes? „Das ist tatsächlich ein Problem, denn manchmal wundern wir uns, wie schwer es doch sein kann, jemandem ein Comic-Heft zu schenken“, erzählt Eckhorst. „Das ist dann immer der deprimierende Moment. Wir machen es doch auch, um mal Leute zu erreichen, die gar keine Comics lesen.“ Aber es gebe durchaus Leser, die die „Pure-Fruit“-Hefte sammelten. Schwerpunktthemen sucht sich das Quartett seit dem zweiten Heft, so ging es schon um Musik, Zweifel, Kochen, Nachhaltigkeit, ein Heft entstand im Zuge eines deutsch-französischen Zeichneraustauschs. Kinder ist das Thema für die zehnte Ausgabe. „Sehr viele Kinder kriegen unsere Hefte in die Hände“, erzählt Eckhorst. „Manchmal sieht’s so aus, als wär’s für Kinder, aber die Geschichten funktionieren für sie nicht.“ Das sei diesmal anders, hoffen sie.

 „Pure Fruit“ sei „weniger eine Anthologie, eher ein Katalog, um sich zu präsentieren“. Denn ihre Brotjobs bestreiten die vier Zeichner mit Aufträgen oder Büchern wie Sponholz mit seinem erfolgreichen Comic Bertis Buben. Eckhorst hat für die Hardrock-Band Scorpions jüngst das Cover für deren CD Return To Forever und die Single We Built This House gestaltet, dazu das Signet für die kommende Welttournee und das 50-jährige Scorpions-Jubiläum. Ein Auftrag, der aber durch einen Kontakt über die Veranstalter des Wacken-Open-Air entstand, für das Eckhorst häufig zeichnerisch aktiv ist. Der Manager der Scorpions hatte dort nach einer Grafiker-Empfehlung gefragt. „Dadurch kam ich ganz leicht, aber plötzlich ins Spiel“, sagt Eckhorst, „und dann lief das nur noch mit Klaus Meine, dem Sänger. Das war ’ne extrem schöne Erfahrung, weil die Band sehr freundlich, zuvorkommend und aufgeschlossen war. Kleine Bands sind viel, viel anstrengender.“

 Fühlt sich das „Pure-Fruit“-Quartett denn mit diesem letztlich kommerziellen Ansatz einer Eigenwerbungs-Fläche eigentlich noch als „Underground“-Vertreter? „Wenn man das realistisch sieht, sind wir mit 10000 Exemplaren ein extrem auflagenstarkes Magazin“, räumt Eckhorst ein. „Vom künstlerischen Ansatz her haben wir aber das Gefühl, dass das schon ein bisschen Underground ist.“

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