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Auf der Jagd nach dem nächsten Kick

Kieler Filmszene Auf der Jagd nach dem nächsten Kick

Die Kieler Filmszene kann sich über Jola freuen. Das Filmprojekt von Hille Norden feierte am Sonnabend im Metro-Kino Premiere. Und feierte zusammen auch als eine große Familie.

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Hauptakteurin, Autorin und Produzentin Hille Norden bat nach der Premiere ihr ganzes Filmteam auf die Bühne.

Quelle: Thomas Richter

Kiel. Eine der schönsten Szenen der Filmpremiere von Jola am Sonnabend im Metro-Kino gab es vor geschlossenem Vorhang. „Alle, die bei dem Film irgendwie mitgemacht haben, bitte einmal aufstehen!“, ruft Hille Norden, Hauptakteurin, Autorin und Produzentin des Streifens, in die gut besuchten Reihen. Und die vielen Menschen, die sich jetzt erheben, sich selbst und den (immer noch) Teenager oben auf der Bühne feiern, wirken wie eine große Familie.

 Es ist das beeindruckende Beispiel einer blühenden Kieler Filmszene, ohne die der 84 Minuten lange Film nie hätte realisiert werden können. Denn mit einem verschwindend geringem Budget von 1500 Euro für die Produktion (gefördert durch den Landesverband Jugend und Film) und weiteren 3000 Euro, mit der die Filmwerkstatt Kiel Auswertung und Vermarktung des Streifens fördert, ist eigentlich kaum ein Blumentopf zu gewinnen. Oder eben doch. Wenn aufreibende 14 Drehtage lang alle Beteiligten von der Regie bis zur Produzentin, vom professionellen Schauspieler bis zum Statisten, vom Kameramann über den Ton, das Licht die Maske und den Schnitt ohne Gage arbeiten.

 Zum Teil schmerzhaft direkt erzählt Jola von der Sinn- und Lebenskrise einer jungen Frau, die als Trennungskind zwischen Aufstand und Resignation, Selbsthass und Eitelkeit, Übermut und Depression ihren Platz in der Welt sucht. „Und, wie ist dein Leben so?“, fragt ihre neue Eroberung (Felix Zimmer). „Leer und langweilig“, ist die Antwort aus müden Augen und zu stark geschminktem Lippen. „Was machst Du dagegen?“, insistiert der Lover. Die Antwort so traurig wie provokant: „Sex“. Ja, es wird ziemlich viel rumgemacht in diesem Film, nur geliebt wird wenig. Es wird auch ziemlich viel geraucht und gesoffen, nur berauscht ist kaum einer. Sex und Drogen ja. Rock’n’Roll nein. Hille Norden, Jahrgang 1998 und in Kiel und Umgebung bereits als Poetry-Slammerin sowie Autorin und Theaterdarstellerin bekannt, hatte keine Scheu bei den expliziten Bett-Szenen. Sie seien wichtig für die Figur und die Geschichte, wird sie später sagen, während Publikum und Macher draußen bereits den verdienten Premierenerfolg genießen. „Nur die Vergewaltigungsszene war wirklich hart. Auch für meinen Kollegen, so was lässt einen nach dem Dreh dann auch nicht sofort los.“

 Lange, theatralische Dialogszenen wechseln sich mit schnell geschnittenen, grell beleuchteten und mit harten Beats unterlegten Bilderfluten ab, wenn Jola in den anonymen Clubs der Stadt den nächsten Kick sucht. Helle Bilder von Sommer und Strandkorb kontrastieren mit dem stickigen Muff eines zugekifften WG-Zimmers. Regisseur Johann Schultz und Kameramann Hannes Gorrissen halten diese ästhetische und erzählerische Balance sehr gekonnt. Sie verlieren die Hauptfigur nie aus den Augen und ermöglichen es dem Zuschauer so, immer wieder den sensiblen, klugen und am Ende auch hoffnungsvollen Menschen hinter der selbstzerstörerischen Fassade zu erkennen. „Ich glaube, das alles geht für Jola irgendwann doch gut aus“, kommentiert Hille Norden das weitgehend offene Ende des Films und gesellt sich endlich zu ihrer Crew.

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