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Heimspiel für einen virtuosen Kieler

Kieler Kammerorchester in St. Nikolai Heimspiel für einen virtuosen Kieler

„Impressionen pur“ lautet das Motto, mit dem das Kieler Kammerorchester am Montagabend in der gut besuchten St.-Nikolai-Kirche in seine neue Saison startet. Dies ist zunächst einmal auch genauso zu verstehen, denn es stehen mehrere namhafte Schöpfer klangbildlich angelegter Werke auf dem Programm des Konzerts.

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Gitarristische Finesse: Detlev Bork als Solist in Rodrigos „Concierto de Aranjuez“.

Quelle: "Oliver Stenzel, ost"

Kiel. Dieses beginnt allerdings mit einem romantischen Eröffnungszug, Felix Mendelssohn Bartholdys Ouvertüre Meeresstille und glückliche Fahrt op. 27. Das Kammerorchester entwickelt die wechselnden Eindrücke einer Seefahrt, die der 23-Jährige hier vertonte, in schöner Anschaulichkeit. Imre Sallay und seine Mitstreiter musizieren zunächst die friedliche Atmosphäre der beginnenden Reise klangsinnlich aus, setzen das sturmbedingte dramatische Intermezzo packend um und spannen den Bogen dann zur musikalischen Seelenruhe des Finales.

 Es folgt Joaquin Rodrigos berühmtes Concierto de Aranjuez, für dessen Solopart Detlev Bork verantwortlich zeichnet. Für den in der klassischen wie in der Flamenco-Musik gleichermaßen beschlagenen Gitarristen bedeutet sein Auftritt ein Heimspiel, denn er ist gebürtiger Kieler und sogar ehemaliges Mitglied des hiesigen Knabenchors. Mittlerweile ist er schon lange international aktiv und präsentiert eine Lesart des Konzerts, die sich durch eine gewisse Sportlichkeit auszeichnet. Während andere Gitarristen hier oft zu sehr ausladenden musikalischen Gesten neigen, durchdringt er es mit hellem Ton und viel Sinn für seine Feinteiligkeit. Besonders das Adagio verliert auf diese Weise an Sentimentalität und Pathos und gewinnt im Gegenzug an gitarristischer Finesse sowie klanglicher Erdigkeit. Das Kammerorchester zieht dazu den Vorhang im Hintergrund deutlich weiter auf, ohne dass die Balance zwischen ihm und dem Gitarristen darunter leiden würde. Großer Applaus für den Heimkehrer.

 Mit Maurice Ravels Pavane pour une Infante défunte liefert das KKO den Hörern die tönende Gefühlsseligkeit nach, die zuvor ausgespart wurde – klangschön, wenn auch auf der Bläserebene nicht blitzsauber ausmusiziert. Claude Debussys Clair de Lune wirkt ähnlich balsamisch, bevor ein im wortwörtlichen Sinne eindrucksvoller Abend mit Gabriel Faurés flott umgesetzter Orchestersuite Masques et Bergamasques op. 112 bewegt ausklingt.

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