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Blauer Engel ruft zum „Grand Prix de la Gastrovision“

Kieler Kneipen-Szene Blauer Engel ruft zum „Grand Prix de la Gastrovision“

Jahr für Jahr vollzieht sich im Blauen Engel ein Ritual. Wenn Wirt Lutz Lück zum „Grand Prix de la Gastrovision“ ruft, dann kommen sie: die Stars und die Sternchen der Kieler Kneipen-Szene. Auch 2015 ist die Hütte wieder voll.

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Der lachende Sieger mit Trophäe: Reverend Martin trat diesmal für den Musikpub Hanging Garden an.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Die Trophäe – die Eiserne Harfe – wartet schon darauf, vom charmanten Moderator David Bereuther der Gewinner-Truppe in die Hände gelegt zu werden. Davor hat der Musikgott allerdings den Schweiß gesetzt. Und zwar den der Künstler, der Macher und des Publikums.

Sieben Acts erklimmen nacheinander die Bühne. Den undankbaren ersten Auftritt übernimmt Moderator David mit einem Britney-Spears-Cover außer Konkurrenz selbst: „Ein Heini muss den Anfang machen: also ich!“ So viel Opferbereitschaft wird mit Applaus belohnt. Ab jetzt gilt aber nur noch selbst Geschriebenes. Einen veritablen Rocksong im Seventies-Gewand haben etwa Gaffa Tape Delay dabei. Die zu „drei Fünfteln“ Titelverteidiger des vergangenen Jahres, hinter denen sich die Kieler Band Ain’t No Ones verbirgt, treten mit starken Einstieg für das Zwack an. Andy Brown vom Tönnchen muss sich danach, Tücke des Objekts, erst einmal eine fremde E-Gitarre ausleihen, bevor er seinen leicht desperaten Song Darkness zu Gehör bringen kann. So geht live. Zwei sehr unterschiedliche Nummern folgen: Das Akustikduo Seelenrein performt deutsches Singer-Songwriting für Oma Ediths Bar (die Bar existiert wirklich und befindet sich im Keller der Oma der Sängerin!). Während Double G Trouble vom Blauen Engel, ebenfalls zur akustischen Gitarre, einen Metalsong vortragen, der so gedrosselt irgendwie rührend wirkt.

 Auch die letzten drei Acts wollen es wissen: Urgestein Reverend Martin, diesmal für das Hanging Garden im Einsatz, singt einen gefühlsechten Besinnungsschlager mit dem Titel Du und Ich. Wogegen die mal zwölf-, mal 14-köpfige Truppe „Dr. Dorsch seine Omma“ für das Unrat mit großem Chor, Riesen-Fanclub und vollem Körpereinsatz punktet. Tatjana und Oxana Schwulst vom Entracte, zwei weißblonde osteuropäische Diven, beschließen den Gesangsreigen, nicht ohne am Ende über ihren eigenen Song in Tränen der Rührung auszubrechen. Viel Holz also für die Abstimmungen an den sieben Ländertischen von Vatikan-Staat bis Labbadabien. Erste Verschleißerscheinungen beim Publikum machen sich bemerkbar. Denn bei den teils sehr komischen Direktschalten zu den Länder-Votings geht es ähnlich ausufernd zu wie beim TV-Original.

 Höhepunkt: der tiefschwarzhumorige Auftritt des Duos Andy „Maschine“ Pooch und Lutz Lück als dummdreistes Zwillingspaar Hitler und Hitler aus Österreich. Ach so, einen Sieger gab es natürlich auch: Reverend Martin stimmt zur Feuerzeugbeleuchtung noch mal seinen Titel an. Nur schade, dass das mancher gen Mitternacht nicht mehr mitbekam.

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