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Neuer Anlauf, neues Gutachten

Kieler Konzertsaal Neuer Anlauf, neues Gutachten

Al Jarreau, Daniil Trifonov mit London Philharmonic, jetzt Elisabeth Leonskaja – das SHMF beschert dem Kieler Schloss Höhepunkte und volle Ränge. Der pralle Musikgenuss lässt derzeit manche Unwägbarkeit im Umfeld in den Hintergrund treten. Aber es gibt Handlungsbedarf, um den Konzertsaal für Kiel und auch das Festival zukunftstauglich zu machen. Und erste Initiativen.

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Konzertsaal im Kieler Schloss: Allemal auf den zweiten Blick sanierungsbedürftig.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer hat dem Jazzer in diesem Sommer direkt in die Augen geschaut und dem Pianisten auf die Finger, er hat die Intimität und die gute Akustik des Saales genossen und auch bequem gesessen. Letzteres ist nicht mehr auf jedem Platz selbstverständlich. Nicht nur deshalb kann eine Sanierung nicht auf die lange Bank geschoben werden. Der Ruf nach einer nachhaltigen Perspektive für das Schloss wird nicht nur in der Musikszene immer lauter. Kämpfer hat noch für 2015 eine Strategie angekündigt.

 Als Grundlage wird ein neues Gutachten angestrebt, um das Volumen der Sanierung konkreter beziffern zu können. Bisher liegt eine Konzeptstudie von 2009 vor, die drei Varianten der Konzertsaal-Attraktivierung (und Erweiterung) aufführt. 12-18-25 Millionen Euro: Die mittlere Variante, die auch eine neue Öffnung des Foyers zum Wasser hin vorsah, wurde seinerzeit favorisiert. Allein, es geschah nichts. Es wuchs allenfalls die Einsicht, dass man sich einen Neubau oder eine Luxus-Sanierung schlichtweg nicht leisten kann. Einmütige Konsequenz: Rat- und Tatenlosigkeit.

 Luftschlösser ade. Kein Raum also für Wünsch Dir was, formuliert Kämpfer. Schließlich könne man auch vom Fördefoyer aufs Wasser blicken. Das neue Gutachten soll ganz nüchtern notwendige Komponenten wie energetische Sanierung, Verbesserung des Innenraums mit Parkett und Bestuhlung, Modernisierung der Beleuchtung, Foyer und Sanitäranlagen und nicht zuletzt auch die Verbesserung der Akustik für die Musiker auf der Bühne selbst abarbeiten. Würden die Kosten die 15-Millionen Euro Marke nicht übersteigen, würde das die Realisierungschancen erhöhen, heißt es. Und: Ohne die Stadt, ohne privates Engagement etwa aus dem Schloss-Umfeld, aber auch ohne das Land wird das Projekt nicht zu stemmen sein, befand die Runde. Neben OB Ulf Kämpfer und Baudezernent Peter Todeskino, neben Kiels GMD Georg Fritzsch und SHMF-Intendant Christian Kuhnt war denn auch Kultur-Staatssekretär Eberhard Schmidt-Elsaeßer dabei. Ohne feste Versprechungen, aber mit dem Gefühl einer Mitverantwortung. Auch wenn das Land die Schloss-Immobilie im Jahr 2003 wegen hoher Betriebskosten und Sanierungsstau für einen symbolischen Euro an private Betreiber abgestoßen hatte. Jetzt könnte es am ehesten um EU-Fördermittel gehen.

 Im heutigen privaten Eigentum, steht für Kämpfer fest, wird der Konzertsaal nicht saniert werden. Also ist eine neue, förderfähige Trägerschaft Grundlage aller Überlegungen. Eine gemeinnützige GmbH mit mehreren Teilhabern könnte so ein Modell sein. Über das bescheidene Ziel herrscht mittlerweile Einigkeit. Die Wegeführung ist noch diffus. Auch mit den derzeitigen Eigentümern muss noch gesprochen werden. Sie hatten schon früher Offenheit für so ein neues öffentlich-rechtliches Modell signalisiert. Vorerst geht’s um Fundamente: Im November soll das Gutachten vorliegen, um weiterzudenken.

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Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion

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