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Kulturpreis für einen „Menschenverbinder“

Festakt im Rathaus Kulturpreis für einen „Menschenverbinder“

Die Kieler Woche haben der Kultur- wie auch Förderpreisträger bereits aktiv mitgeprägt, stellte Stadtpräsident Hans-Werner Tovar gestern Bezüge her: Ulrich Behl als einer der Miterfinder der Spiellinie, Lukas Meyerolbersleben als (damals 15-jähriger) Solist beim Klassik-Open-Air 2012 auf der Rathausbühne.

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Festakt im Rathaus: OB Ulf Kämpfer, Kulturpreisträger Ulrich Behl, Förderpreisträger Lukas Meyerolbersleben und Stadtpräsident Hans-Werner Tovar (v.li.).

Quelle: Frank Peter

Kiel. In einem Festakt im Rathaus wurden gestern vor zahlreichen Ehrengästen der 76-jährige Zeichner, Grafiker, Objektkünstler und Kunstvermittler mit dem Kieler Kulturpreis und der 19-jährige Hornist mit dem Förderpreis Kultur ausgezeichnet.

 Ulrich Behl, begründete schon der Kultur- und Wissenschaftssenat seine Empfehlung, sei ein „Menschenverbinder“. Tovar beschrieb den Künstler, Kunstvermittler, Galeristen, ehemaligen PH-Dozenten, VHS-Fachbereichsleiter und Menschen Behl am Sonntag als „umtriebig, rührig, verbindend und verbindlich, freundlich, aufgeschlossen, interessiert, gesprächig, munter, wissend und wissbegierig, überall herumwuselnd“ und erntete für diese umfassende Charakterisierung breite Zustimmung. Auch Laudatorin Marina von Assel, früher Stadtgalerie Brunsbüttel und heute Leiterin des Kunstmuseums Bayreuth, sieht Behl mit nimmermüdem Geist „ständig in Bewegung“. In seinen konzeptionell-seriellen Arbeiten gehe er „wie ein Forscher“ vor: „Er entwickelt Konzepte, setzt Strukturen, bestimmt Abläufe und Regeln und überlässt sich dann im geeigneten Moment dem Zufall – dem Unwägbaren, das jedem Kunstwerk auch innewohnt“.

 Behl lobte später den „ausgeprägten Kulturwillen und Kunstsinn“ in Kiel und bedankte sich für die mit 10000 Euro dotierte Auszeichnung mit der Schenkung eines Lithografie-Konvoluts an die Stadtbilderei. Er bedankte sich auch bei einem Kulturpreis-Vorgänger: Architekt Diethelm Hoffmann hatte 1993 mit seinem Preisgeld Behls beliebte Schwimmobjekte angekauft, der Stadt geschenkt und damit ihren Standort auf dem Kleinen Kiel gesichert.

 Von der Bildenden Kunst zur Musik: Zum zweiten Mal wurde gestern der mit 4000 Euro dotierte Förderpreis Kultur verliehen. An eine „echte musikalische Ausnahmeerscheinung“, sagte Stadtpräsident Tovar, um etwa auf den Chiffren-Preis für Neue Musik hinzuweisen, den der Hornist Lukas Meyerolbersleben bereits als Elfjähriger erhielt. Viele nationale und internationale Preise zählte Laudator Michael Struck später auf. Seit Anfang 2013 ist der angehende Abiturient 1. Hornist im Bundesjugendorchester. Und das alles, obwohl Hornisten nach Strucks Überzeugung eine „Gefahrenzulage“ verdienten – weil schräge Töne hier so unverzeihlich rüberkämen, der Job mithin „ein Höchstmaß an körperlicher und geistiger Konzentration und von allgemeiner Musikalität“ erfordere.

 

 Lukas Meyerolbersleben: Nicht Musik allein...

 Kiel. „Ein Musiker mit großem Zukunftspotenzial“, steht auf der Urkunde des Förderpreises Kultur, den gestern der junge Kieler Hornist Lukas Meyerolbersleben erhielt – nur wenige Tage vor seiner mündlichen Abiturprüfung. Nein, nicht in Musik. Der heute 19-Jährige hat sich am musikgeprägten Ernst-Barlach-Gymnasium seinerzeit bewusst für das Sprachliche und nicht das Ästhetische Profil entschieden.

 Für Vielseitigkeit stehen auch seine weiteren Pläne: Im Herbst will er weg aus Kiel – Ziel noch unklar. Er möchte parallel Medizin und Musik studieren, am liebsten in Hamburg, womöglich auch in Berlin, wo der langjährige Schüler von Marie-Luise Neunecker derzeit von Markus Bruggaier unterrichtet wird. Große Pläne. Doch, stellt er klar, es sei schon unvorstellbar für ihn, später nicht Musiker zu sein. Die Karriere als Hornsolist hat Priorität. Und Dirigieren will er auch lernen.

 Man traut ihm die Musikerkarriere zu: Lukas Meyerolbersleben sei schon jetzt „ein außergewöhnlicher , ernstzunehmenden Musiker, der das Horn famos beherrscht“, bescheinigte ihm der Kieler Musikwissenschaftler Michael Struck in seiner klugen Laudatio: „Er ist eine eigenständige Künstlerpersönlichkeit“. Struck erinnert sich, wie auch Lukas, gern an gemeinsames Musizieren in der Bordesholmer Klosterkirche: „In einer bemerkenswerten Verbindung aus Höflichkeit und uneitlem Selbstbewusstsein, vor allem aber mit seiner Fähigkeit zur absoluten Versenkung ins Hier und Jetzt des Musik wurde da geprobt und musiziert“. Der Geehrte ist auch seinem ersten Lehrer Neil Fellows dankbar, der ihn als Achtjähriger ans Horn herangeführt hatte und unter dessen Leitung er 2009 am EBG sein erstes Mozart-Solokonzert spielte. Wenn er im Herbst sein Studium aufnimmt, nehme er aus Kiel als gewichtige Pfunde mit „eine tolle Kindheit, musikalisch prägende Momente ... und den Charakter der Stadt Kiel selbst“, sagte er nach der Preisverleihung am Sonntag – und erhielt dafür viel Beifall.

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Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion

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