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Hochkarätiger Jahresauftakt

Literaturhaus Hochkarätiger Jahresauftakt

Das Literaturhaus in Kiel startet mit hochkarätigem Programm in das neue Jahr. Gegenwartsliteraten wie Jenny Erpenbeck und Ulrich Peltzer, aber auch lokale Autoren wie Christopher Ecker und internationale Literaten machen in den kommenden Monaten Halt im Haus am alten botanischen Garten.

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Leichtfüßige Prosa: Judith Kuckart eröffnet am kommenden Donnerstag das Lesejahr im Literaturhaus.

Quelle: Laima Chenkeli

Kiel.. Sie schreiben unmittelbar an der Gegenwart, die Autoren, die Wolfgang Sandfuchs in den kommenden Monaten ins Literaturhaus im Alten Botanischen Garten eingeladen hat. Fallada-Preisträgerin Jenny Erpenbeck hat ihre eigene Recherche unter Flüchtlingen am Berliner Oranienplatz in Gehen, ging, gegangen (25. Februar) verarbeitet. Ulrich Peltzer taucht in Das bessere Leben (8. März) ebenso in die bundesrepublikanische Geschichte wie Frank Witzel mit seinem Monumentalroman Die Erfindung der Roten Armee Fraktion … (12. Februar). Alle drei übrigens nominiert für den Deutschen Buchpreis 2015, den Witzel im Oktober gewann.

 „Man kann die Romane in unterschiedlicher Weise seismografisch für die Probleme unserer Gesellschaft lesen“, findet Sandfuchs den roten Faden und hat gleich noch zwei Autoren eingeladen, die er auch gern auf der Liste für den Buchpreis gesehen hätte. Judith Kuckart eröffnet das Lesejahr im Literaturhaus am kommenden Donnerstag, 14. Januar, mit ihrem Roman Dass man durch Belgien muss auf dem Weg zum Glück. Ein Reigen, der in elf Episoden Menschen und Sehnsüchte von heute verknüpft – todtraurig und federleicht zugleich. Alban Nikolai Herbst, der in Traumschiff eine Allegorie auf die Vergänglichkeit und die alternde Gesellschaft entwirft, folgt am 20. Januar. Die Bandbreite erweitern die Österreicherin Vea Kaiser (17. Februar), die mit ihrem Debüt Blasmusikpop 2012 einen Überraschungserfolg landete und am 17. Februar ihren Griechenland-Roman Makarionissi vorstellt, und Norbert Niemann, der am 28. Mai im Rahmen des Festivals Chiffren aus seinem Musikerroman Die Einzigen liest.

 Neben der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur im Allgemeinen hat Sandfuchs die Schriftsteller aus dem Land im Besonderen im Blick und mischt außerdem internationale Stimmen darunter. Mit Jean-Paul Didierlaurent (Die Sehnsucht des Geschichtenerzählers, 10. Februar) und Boualem Sansal mit seiner Orwell-Fortschreibung 2084 (15. Juni) ist schon mal Frankreich dabei, mit Lasha Bugadze Georgien, und die italienische Reihe „leggio“ hat sich von Kiel aus mittlerweile in die Republik ausgebreitet – mit Lesungen unter anderem in Berlin und Hamburg.

 Mit Jochen Missfeldt und Christopher Ecker sind zwei Autoren aus dem Land vertreten. Kunstpreisträger Missfeldt präsentiert sein von Friedel Andersson illustriertes Sylt-Buch Wiedergänger (3. März); Hebbel-Preisträger Ecker stellt den neuen, erstmals sozusagen vor Ort angesiedelten Roman Der Bahnhof von Plön (14. März) vor. Auch Bärbel Reetz, vor Jahren von Schilksee nach Berlin gezogen, lässt sich noch zu den Hiesigen zählen. Sie liest am 8. Februar aus ihrer Doppelbiografie von Hugo Ball und Emmy Ball-Hennings Das Paradies war für uns. Und schließlich versammelt auch die Anthologie Neue Prosa aus Schleswig-Holstein Texte aus dem gleichnamigen Literaturwettbewerb, den der Rotary-Club Mittelholstein und das Literaturhaus 2014 initiierten. Darunter der Siegertext von der in Lübeck aufgewachsenen Svenja Leiber. Ab Ende Januar ist das Buch im Handel, eine Lesung ist für April in Planung.

Ein hochkarätiges Programm hat Literaturhausleiter Sandfuchs auf die Beine gestellt. Nach einem Jubiläumsjahr mit einem vor allem in Kiel sehr erfolgreichen dänischen Literatursommer und insgesamt gut 150 Veranstaltungen, die über 7000 Besucher lockten. Möglich dank eines leicht auf 178000 Euro erhöhten Etats, zusätzlicher Projektmittel und einer neuen halben Stelle, die auch 2016 erhalten und mit Sara Dusanic besetzt bleibt. Die plant bereits am nächsten Literatursommer – Gastland Schweiz. Die Leselounge-Reihe setzt sich ebenso fort wie das Festival des Debütromans. Aber auch neue Projekte stehen an. „Crowd“ heißt eines davon, ein europäisches Bus- und Buchreiseprojekt, das 15 Autoren im Mai/Juni von Italien bis Finnland in wechselnden Konstellationen durch die Lande schickt und im Mai in Kiel halt macht. Mit dabei unter anderem der Isländer Eirikur Örn Norddahl und die Berliner Lyrikgruppe Cloudpoesie.

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Ein Artikel von
Ruth Bender
Kulturredaktion

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