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Nosferatus blutgierige Töne

Kieler Philharmoniker Nosferatus blutgierige Töne

Friedrich Wilhelm Murnau begründete mit dem Stummfilm Nosferatu das Horror-Genre. Jetzt kommt die Filmmusik von Bernd Wilden mit den berühmten Bildern im „con spirito“-Sonderkonzert der Kieler Philharmoniker „live“ unter Leitung von Leo Siberski im Schloss zusammen.

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Graf Orlok (Max Schreck) hat das Kommando übernommen. Bernd Wilden sorgt für bedrohliche Orchesterwogen.

Quelle: Murnau-Stiftung

Kiel. Der in Wismar gedrehte Streifen stammt aus dem Jahr 1921 und hat nichts von seiner schwarz-weißen Intensität und filmgeschichtlichen Bedeutung eingebüßt: Friedrich Wilhelm Murnau begründete mit dem Stummfilm Nosferatu das Horror-Genre, indem er Bram Stokers Roman Dracula erstmals auf die Leinwand brachte. Der Vampir fliegt lautlos, die Opfer kreischen ungehört. Aber der Kino-Klassiker ist trotzdem allemal eine Symphonie des Grauens, wie der Untertitel verheißt. Denn es ist die Filmmusik, die für eine weitere Gänsehaut-Dimension sorgt.

 Der Komponist Bernd Wilden ist im Jahr 2004 einem Impuls der Bielefelder Friedrich-Wilhelm-Murnau-Gesellschaft gefolgt, eine neue vollorchestrale Filmmusik für das Meisterwerk zu komponieren. Jetzt kommen die blutvollen Ton- und Bildspuren im „con spirito“-Sonderkonzert der Kieler Philharmoniker „live“ unter Leitung von Leo Siberski im Schloss zusammen. Der Dirigent, der bei den Eutiner Festspielen im Sommer Bizets Carmen und die Operette Der Vogelhändler leitet, zeigt sich begeistert von den Klangfantasien und dem Fluss der Partitur, die um Nuancen leichter mit dem Film zu koordinieren sei als bei Langs Metropolis.

 Bernd Wilden ist dem Film Nosferatu 2004 „ganz unbefangen“ begegnet, kannte auch die originale Filmmusik von Hans Erdmann nicht: „Ich habe den Film dreimal ohne Ton gesehen, versucht seine Atmosphäre zu erspüren und eine grobe klangliche Vorstellung einer subjektiven Filmmusik dazu zu entwickeln. Dann bin ich Szene für Szene durchgegangen, habe mit Metronom und Stoppuhr ein Raster entwickelt. Wichtig war mir, das innewohnende Grundtempo jeder Szene zu erfassen, um sich an den Film anschmiegen zu können.“

 Wildens Musiksprache wurzelt in der Romantik, beispielsweise wenn es gelte, die weibliche Identifikationsfigur der Ellen mit Sehnsuchts- und Erlösungsmotiven auszustatten. Gleichzeitig verwendet der Komponist aber auch Elemente der klassischen Moderne oder des Geräuschhaften, wenn Horroreffekte unterstrichen oder Übernatürliches musikalisch nachgezeichnet werden soll.

 „Ich bin aber ein fürchterlicher Traditionalist“, lacht Wilden im Blick auf die Orchesterbesetzung, die das Orchester „nur“ mit Harfe, Schlagzeug (Siberski: „beispielsweise für einen Becken-Nebel“), Klavier und Celesta sowie mit einem Keyboard für die Singende Säge als „Klischee-Gruselsound“ erweitert. „Meine Filmmusik zu Murnaus Faust von 2013 scheint mir komplexer und reifer, aber Nosferatu hat so eine schöne Unverfrorenheit“, so Wilden, der für die Jugendakademien des Kieler Theaters gerade ein neues Werk schreibt.

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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