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Tief im Märchenwald

Mozart-Konzert der Musikfreunde Kiel Tief im Märchenwald

Kiels Generalmusikdirektor Georg Fritzsch begeistert sich für das wahnwitzig intensive Seelengemälde von Mozarts berühmter g-Moll-Symphonie. Außerdem wirbt er im Mozart-Konzert der Musikfreunde nachhaltig für Max Regers Hommage an den Wiener Klassiker.

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Kiels GMD Georg Fritzsch, am Abend zuvor noch Dirigent des Strausschen „Rosenkavalier“ an der Staatsoper Stuttgart, erwies sich einmal mehr als überaus einfühlsamer Mozart-Interpret und Max-Reger-Anwalt.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. „Die g-Moll-Sinfonie hat keinen richtigen Anfang. Das, was die Bratschen da zu Beginn spielen, ein g-Moll-Gewaber, könnte schon eine Ewigkeit klingen, Mozart schreibt nur einen Takt ...“, staunt einer der wichtigsten Mozart-Dirigenten überhaupt, Nikolaus Harnoncourt, über den unerhörten Anfang des KV 550. Und Kiels Generalmusikdirektor Georg Fritzsch begeistert sich hörbar in seinem Sinne für das wahnwitzig intensive Seelengemälde, das sich aus diesem eigenwilligen Einstieg entwickelt.

 Die Kieler Philharmoniker treffen, mit bloßen Händen angespornt oder gestreichelt, im sehr gut besuchten Mozart-Konzert der Musikfreunde ganz genau den mal hypernervös rebellischen, mal sinnlich singenden Ton des Spätwerks eines Frühverstorbenen. Die theaternah lebendige Interaktion der Instrumentengruppen, die aufmüpfigen Akzente und Widerhaken, kleinen Echos (im Andante!), innigen Schwelgereien, das energisch kraftvolle Menuett und das rasant rauschende Finale werden in der Nikolaikirche zu einem Triumph historisch informierter Klangrede.

 „Wer Mozart als Größe nicht erkennt, sollte den Beruf wechseln“, hatte Fritzsch vor 14 Jahren in seinem allerersten Kieler Interview postuliert. Von Max Reger, für den er sich als Vermächtnis seines Lehrers Heinz Rögner im Gedenkjahr zum 100. Todestag besonders gern engagiert, wäre er für diesen Satz sofort auf die Stirn geküsst worden. Dessen überaus raffinierte Variationen und Fuge über ein Thema von Mozart dirigiert der GMD nach 2004 zum zweiten Mal in der Konzertreihe – und wenn die Erinnerung nicht täuscht: mit noch größerer Souveränität und Sensibilität.

 Da gibt es allenfalls in den ersten Variationen noch ein paar kleine Abstimmungshakeleien im Orchester. Ansonsten strömt die vielfache Verwandlung des berühmten Themas aus der A-Dur-Klaviersonate KV 331 in lichter Ruhe dahin, atmen die Übergänge, gleiten die Klangschichten reizvoll reibend übereinander. Das Ganze klingt, als ob Mozart an der Hand Regers tief hinein in den Deutschen Märchenwald wandert, noch weit vorbei an Wagners Waldweben, Humperdincks Hexenhaus und Mahlers Naturschauer. Sogar die sperrig hochkomplexe Monumental-Fuge behält in Fritzschs auswendig gesteuerter Klangregie eine erstaunliche Leichtigkeit, aus der am Schluss das Mozart-Thema in den Trompeten einmal nicht lauthals, sondern berührend ehrfürchtig aufscheint.

www.musikfreunde-kiel.de

www.reger-kiel2016.de

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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