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Und am Ende Applaus im Autohaus

Ausstellung an ungewöhnlichem Ort Und am Ende Applaus im Autohaus

Es ist gar nicht so lange her, dass Peter und Gunda Niemann Teile ihrer Sammlung N in zwei kuratierten Ausstellungen in der Gerisch-Stiftung Neumünster präsentiert haben. Für ein Gemeinschaftsprojekt mit der Berliner Rocca-Stiftung, einer Privatsammlung von Eric und Joelle Romba, wurde jetzt ein neues, spannendes Ausstellungsgelände gefunden.

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Spiegelnder Laufsteg für einen besonderen Auftritt: Gunda und Peter Niemann im Showroom.

Quelle: bos: Björn Schaller

Kiel. Bei einem Spaziergang stach dem Ehepaar ein leerstehendes Autohaus ins Auge. Schnell wurde mit dem Besitzer verhandelt und das Gebäude stand auf Zeit zur Verfügung.

Applaus, Applaus im leeren Autohaus: Schon im Titel spiegelt sich die Neigung zum Unkonventionellen, die beide Sammlerpaare verbindet – zusammen mit der Neugier auf zeitgenössische Kunst. Den Titel hat Peter Niemann sich ausgedacht, denn der Mitinhaber des Kieler Unternehmens für Baumaschinen, der hin und wieder selbst künstlerisch tätig ist, zeigt sich überzeugt: „Männer machen nichts ohne Applaus.“ Wie die Rocca-Stiftung (Romba Collection of Contemporary Art) haben er und seine Frau Arbeiten ausgesucht, die dem Thema auf den Zahn fühlen, und selbstverständlich sind in der Künstlerauswahl auch Frauen vertreten. „Jeder möchte Zuspruch oder Lob“, so Niemann. „Applaus ist der Motor für (Höchst-)Leistungen, ob im Sport, in der Politik oder in der Kunst.“ Dem Amerikaner Wu Tsang waren Aufmerksamkeit und vielleicht auch Applaus sicher, als er sich für eine Performance in Berlin ein Kleid aus Leuchtstoffröhren und Swarovski Steinen überstreifte. Im Eingangsbereich des Autohauses glitzert das futuristisch anmutende Gewand inmitten eines spiegelnden Catwalks.

 Um die Gunst des Publikums buhlt auch der gealterte Evis Presley mit einer nicht mehr jungen Olivia Newton-John, die Meredyth Sparks in einer Folge von Collagen zusammengebracht hat. Einen Doppelapplaus gibt es für eine Nischeninstallation. Vor einem Schlagzeug, das Michael Sailstorfer aus Teilen eines amerikanischen Polizeiautos gebastelt hat, hängt eine bunte Lichterkette, die in unregelmäßigen Abständen aufleuchtet – die Lichtinstallation von Katarina Löfströms morst den Doors-Song This is the End. Ein befremdliches Hörerlebnis wartet hinter einer Tür mit der Aufschrift „Zubehör“. Kalt ist der Raum, in dem inmitten leerer Regale die Stimme eines amerikanischen Sektenanführers schallt. In einer letzten Predigt wendet er sich an seine Anhänger, denen er zuvor mit ihrem Einverständnis eine tödliche Dosis Gift verabreicht hatte. That’s right, so der Titel des Audiofiles von Benja Sachau nach der gemurmelten Zustimmung der Todgeweihten. Ein Applaus der makaberen Art.

  Eckernförder Str. 297 (ehemals Skoda), Eröffnung heute, Freitag, 19-22 Uhr. Bis 8. Mai Fr-So 14-18 Uhr.

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