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Bodo Wartke unterhielt die Generationen

Kieler Schloss Bodo Wartke unterhielt die Generationen

Er ist unser Mann aus Schleswig-Holstein auf der großen Kabarettbühne. Bodo Wartke, Klavierkabarettist, ist längst einer der Stars seines Fachs. Im ausverkauften Kieler Schloss amüsierte er drei Stunden lang das entzückte Publikum mit seinen formidablen Reimen und witzigen Zwischenmoderationen.

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Bodo Wartke, Klavierkabarettist, ist längst einer der Stars seines Fachs.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Das muss man erst mal schaffen, gut 1100 Zuschauer unterschiedlichster Couleur bei einem Programm zur vereinen. Da sitzen Dreadlocks neben grauen Köpfen, Schulkinder mit ihren Eltern neben jungen Freundes-Cliquen. Die viel zitierte Familienunterhaltung, Wartke bekommt sie spielend und spielerisch hin. Denn, das ist eine der Qualitäten auch im neuen Bühnenprogramm „Was, wenn doch?“ des gebürtigen Bad Schwartauers, jetzt Wahlberliners, dass er immer locker wirkt, wenn er seine virtuos gereimten Texte - oft in rasanter Geschwindigkeit - zum ebenbürtig gekonnt auf den Punkt gebrachten Klavierspiel vorträgt. „Am liebsten spiele ich im Wohnzimmer vor Freunden, darum habe ich es einfach mitgebracht“, scherzt er angesichts seiner Bühnen-Deko mit Stehlampe am Instrument. Und tatsächlich wirkt das Konzert trotz des großen Saals intim, der Künstler nah bei seinem Publikum.

 Auch in der aktuellen Show stehen die Irrungen und Wirrungen der Gefühle ganz oben auf der Tagesordnung. Den Anfang macht mit „Mein Gefühl“ eine leichtfüßige Popballade, die als inniger Liebesschwur beginnt, bis sich herausstellt: die Liebe, sie ist nur einseitig. So geht es oft in den Lyrics von Wartke, sie entwickeln sich - meist in unvorhergesehener Weise. Dabei reimt er auf Teufel-komm-raus: um die Ecke, ins Unreine, doppelt und mehrfach. Etwa im Stück „Mènage á trois“, bei dem er sich unversehens in einer Männerfantasie wiederfindet, die eigene Überforderung selbstironisch kommentierend: „Ich hab ´gedacht, es würde irgendwie mehr Spaß bringen / jetzt bin ich hier beschäftigt mit Multitasking.“ Musikalisch legt Bodo Wartke ein Fundament vom Boogie-Woogie-Stück bis zum Bach-Präludium, von Blues bis Rap. Mit dem ernsthaften Song „Nicht in meinem Namen“, der sich gegen Gewalt von Religionsfanatikern richtet und mit „Shalom, Inshallah und Amen“ endet, setzt er zudem ein kraftvolles Zeichen als Künstler, der obwohl er kein politischer Kabarettist ist, dennoch eine Haltung zeigt.

  Zwischendurch bekommt er auch mal Besuch in seinem Wohnzimmer von Sängerin und Kabarettistin Melanie Haupt, die sich mit ihm charmante Scharmützel bei einem Stepptanz-, Wort- und Percussion-Duell liefert und am Ende gemeinsam mit ihm in einer Art Showdown Teile aus allen Songs des Abends zu einem einzigen vereint. Doch Schluss ist erst, wenn es vorbei ist, und es fehlt ja noch der Gangsta-Rap, eine Kampfansage an lästige Insekten, bei der alle, vom Kind bis zum betagten Semester, das Beatboxen üben. Wie? Ganz einfach: Schnell abwechselnd Pizza und Katze sagen und dabei die Vokale weglassen. Keine Frage: Bodo was in the house!

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