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Hut auf, Hut ab mit Stefan Gwildis

Kieler Schloss Hut auf, Hut ab mit Stefan Gwildis

Als Stefan Gwildis im letzten Sommer zum ersten Mal mit den Kieler Philharmonikern und Leo Siberski auf der Bühne stand, war der Rathausplatz voll. Auch zur Wiederholungstat am Sonntag sind die Reihen im Kieler Schloss dicht besetzt.

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Der Charme des Gegensatzes: Stefan Gwildis mit Band und Georg Fritzsch mit Orchester in bestem Einvernehmen.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Die Kombination des Hamburger Sängers mit dem Breitwandsound des Orchesters hat offensichtlich Zugkraft. Und zum 2. Extrakonzert der Saison ist es nun Generalmusikdirektor Georg Fritzsch persönlich, der den Taktstock schwingt.

 Genauer gesagt hat er ihn zuhause gelassen und dirigiert seine Musiker an diesem Abend ganz locker aus dem Handgelenk. Als stimmiges Warm-up präsentiert Kiels GMD Time Square aus Leonard Bernsteins Musical On The Town. Dann stellt er dem Publikum schalkhaft in Aussicht, heute für eine mögliche CD-Produktion des Konzerts verewigt zu werden: „Wenn Sie mitsingen, tun Sie es freiwillig und unentgeltlich. Sie verzichten auf alle Rechte!“

 Als Stefan Gwildis auf die Bühne tritt und den Song Spiel das Lied in dir anstimmt, ist zunächst einmal Mitklatschen angesagt. Der Endfünfziger und seine Band brauchen keine drei Takte, um die Gäste hinzureißen und sich glücklich mit den Kieler Philharmonikern zu verbinden. Der Großklang wirkt zwar zunächst noch eher flach und diffus. Nichtsdestotrotz geht von den Arrangements, die NDR-Bigband-Chef Jörg Achim Keller für das Projekt geschrieben hat, eine große Prägnanz aus. Bill Withers Klassiker Ain’t No Sunshine, hier unter dem Titel Allem Anschein nach bist du’s zu hören, geht mit Streicherschweif noch ein bisschen mehr zu Herzen. Und wenn Gwildis bei seiner Interpretation gewohnt unnachahmlich Crooner und Shouter zugleich gibt, wirkt diese ebenso authentisch wie das Lob des Sängers für die professionelle Begleitung: „Dieses Orchester besteht aus lauter Musikern, die wissen, was sie tun. Das kann ich von mir nicht immer behaupten!“

 Genau dieser Gegensatz macht den Charme des Abends aus. Auf der einen Seite erlebt man Stefan Gwildis, dessen nordische Soul-Stimme nicht nach Whisky, sondern nach Küstennebel klingt, der eigensinnig phrasiert und sich im Duett mit seinem Bassisten auch mal als lebende Beat- und Schnaufbox präsentiert. Und auf der anderen Seite musizieren die Kieler Philharmoniker unter Georg Fritzschs relaxter Führung akkurat und inspiriert und verstärken effektvoll die Wirkungsmacht von Stefan Gwildis’ ohnehin stets intensiver Stimme.

Seine Vertonung von Heinz Erhardts Gedicht Der Einsame, Gwildis’ von Sambarhyhthmen getragener Hit Naja Naja, seine deutsche Version des Motown-Goodies Ain’t no mountain high enough: Sie tönen hier mit Herz und Verstand durch den Saal und hinterlassen schon zur Pause ein restlos begeistertes Publikum. Und obwohl Stefan Gwildis wie alle Soulsänger natürlich auch ein routinierter Stimmungsmacher ist, der genau weiß, mit welchen Pointen man die Kieler „Partybiester“ für sich gewinnt, wirkt er selbst dann noch authentisch, als er für den Merchandise-Stand im Foyer wirbt.

 Die Stimmung steigt in der zweiten Konzerthälfte weiter und auch in den Reihen der Kieler Philharmoniker lässt sich nun mancher Musiker deutlich sichtbar vom Groove anstecken. Und als Gwildis zur Zugabe Randy Newmans eingedeutschten Standard Lass ma ruhig den Hut auf (You Can Leave Your Hat On) singt, der zugleich das Konzertmotto bildet, reißt es die Gäste prompt von den Sitzen. Unvermeidliches Fazit: Hut ab!

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