16 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Serienkiller-Rückkehr stellt Duo vor Zerreißprobe

Kieler Tatort Serienkiller-Rückkehr stellt Duo vor Zerreißprobe

Ein Psychopath, der in das Leben fremder Frauen eindringt, ihre Zahnbürsten benutzt, bestialisch tötet und am Ende sogar flieht. Das ist die Geschichte von Kai Korthals im «Tatort» aus Kiel. Kommissar Borowski und seine Kollegin Brandt bekommen es wieder mit ihm zu tun.

Voriger Artikel
Malen im Fluge
Nächster Artikel
Neue „Heimat“ fürs Theater?

Serienkiller Kai Korthals hat bereits vor drei Jahren im Kieler «Tatort» sein Unwesen getrieben.

Quelle: Philip Peschlow/dpa

Kiel. Er ist zurück. Serienkiller Kai Korthals hat bereits vor drei Jahren im Kieler «Tatort» sein Unwesen getrieben. Der unscheinbare Paketzusteller schlich lautlos, ohne Spuren zu hinterlassen in Wohnungen und das Leben von Frauen ein, suchte die Nähe seiner Opfer und mordete schließlich brutal. Zu allem Überfluss entkam der Täter (Lars Eidinger) dem Ermittler-Duo Borowski (Axel Milberg) und Brandt (Sibel Kekilli) am Ende. Ein höchst ungewöhnlicher Ausgang für eine Episode der ARD-Kultreihe. Nun taucht der Psychopath also wieder auf. «Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes» (Sonntag, 20.15 Uhr) ist nicht minder spannend, gruselig und beängstigend wie der erste Auftritt des Frauenmörders, der ein besonderes Faible für die Zahnbürsten seiner Opfer hegt.

In der Folge, die wie schon der Niedersachsen-«Tatort» vom vergangenen Sonntag wegen der Anschläge von Paris anstelle des Zweiteilers mit Til Schweiger als Terroristenjäger ausgestrahlt wird, gibt es aber nicht nur ein Wiedersehen mit dem Serientäter Korthals. Klaus Borowski schwebt gleich zu Beginn auf Wolke sieben. Denn seine große Liebe und ehemalige Kollegin Frieda Jung (Maren Eggert) ist nach jahrelanger Abwesenheit zurück in Kiel. Beide planen die gemeinsame Zukunft. «Du bist da, wirklich und real», säuselt Borowski seiner Liebsten beim Aufwachen ins Ohr. Die Zuschauer lernen den knorrigen Kommissar diesmal von einer ganz anderen Seite kennen - privat wie beruflich.

Einen entwischten Mörder - das gab es in mehr als 40 Jahren «Tatort» nur äußerst selten. Nun darf sogar ein- und derselbe Täter das Ermittlerteam abermals auf die Probe stellen, «Tatort»-Autor und Grimme-Preisträger Sascha Arango hat wie schon beim ersten Teil eine Geschichte ersonnen, die einem bisweilen den Atem stocken lässt.

Borowski und Brandt bekommen es zunächst mit einer verwirrten jungen Frau zu tun, die am Strand in einer umfunktionierten Gefriertruhe gefunden wird. Ihre teils konfusen Schilderungen lassen bei Sarah Brandt plötzlich einen schlimmen Verdacht keimen: Kai Korthals hat wieder zugeschlagen. Davon will Borowski jedoch erst einmal nichts wissen.

Wettlauf mit der Zeit

Hätte der erfahrene Ermittler nur früher auf seine junge Kollegin gehört: Korthals will eigentlich ein normales Leben mit Familie und Geborgenheit führen, hat dafür aber einen perfiden Weg eingeschlagen. Von Borowski und Brandt gestört, sinnt der Psychopath auf Rache und nimmt Borowskis Verlobte ins Visier. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt und das inzwischen gut eingespielte Duo Borowski/Brandt wird vor eine Zerreißprobe gestellt.

Ein Fortsetzungsfilm birgt natürlich Gefahren: Kann ein solches Sequel an Nummer eins heranreichen? War es womöglich gar von vornherein so vorgesehen? Das verneinen die Macher: «Es war nicht von Anfang an geplant. Das offene Ende war eher ein Gag, ein Spiel mit dem Schock-Effekt», erzählt etwa Korthals-Darsteller Lars Eidinger im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Auch NDR-Spielfilmchef Christian Granderath betont, dass die Reaktionen der Zuschauer am Ende den Ausschlag für eine Folgeepisode gegeben hätten. «Auch über Facebook und Anrufe haben wir die Frage bekommen: Wie geht es denn nun weiter?»

Eidinger erklärt sich das Echo so: «Die Leute fühlten sich in ihrer ureigenen Angst angesprochen, dass ihnen das passiert und plötzlich traut man der eigenen Zahnbürste nicht mehr», sagt der 39-Jährige mit Blick auf die Manie seiner Figur Kai Korthals. Für den Berliner Film-und Theaterstar («Familienfest», «Was bleibt» sowie «Hamlet» und «Richard III.») war es keine Frage, den Psychopathen erneut zu spielen. «Es war außerdem gut zu zeigen, dass diese Figur sich auch sonst entwickelt hat. Dass diese längere Zeit des Untertauchens und auch der Isolation dazu geführt hat, dass sich bestimmte Verhaltensweisen verstärkt haben.» Und das gelingt Eidinger mühelos, etwa wenn er die Zuschauer direkt anspricht und über sein Wesen sinniert - ein Monolog mit Gänsehaut-Faktor.

Sibel Kekilli, die als Sarah Brandt schon beim ersten Aufeinandertreffen unter Korthals zu leiden hatte und bei der sofort alte Wunden aufreißen, sieht es so: «Im ersten Teil gruselt man sich anders vor Kai Korthals, weil man in ihn nicht reingucken kann. Im zweiten Teil bekommt man mehr Einblick.»

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3