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Die Parallelwelt der Sanierer

Theater Die Komödianten Die Parallelwelt der Sanierer

Das Hermetische, Kammerspielhafte hat Ivan Dentler gleich fasziniert. Wie die Hotelzimmer, in denen die Unternehmensberater Öllers und Niederländer in Johannes Nabers Film Zeit der Kannibalen (2014) absteigen, überall gleich aussehen – egal ob Indien, China oder Nigeria. „Das fand ich eine starke Idee“, sagt Ivan Dentler, der sofort um die Theaterfassung des "Endzeitfilms" für Kiel bemühte.

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Im Einheitsraum: Ivan Dentler als Öllers, Liesa Strehler als Zimmermädchen und Anna Nigulis als Bianca.

Quelle: Foto: Marco Ehrhardt

Kiel. „Ich fand es interessant, dem Thema Globalisierung über das Theater näherzukommen“, sagt Ivan Dentler, der das Vier-Personen-Stück jetzt im Komödianten-Theater inszeniert und selbst in die Rolle des desillusionierten Öllers schlüpft. Und es hat durchaus etwas Endzeithaftes, wie da drei Manager im steten Konkurrenzkampf in wechselnden Drittweltländern unter Ausschluss der Wirklichkeit vor Ort Betriebe wegsanieren. In den Einheitsräumen manifestiert sich bloß die Parallelwelt, in der sie agieren. „Das ist ein geschlossenes System“, so Dentler, der die Ortswechsel auf der reduzierten Bühne über einen Kunstgriff sichtbar machen will. „Wir wollen auch das Haifischbecken dieses Business zeigen – und was es mit seinen Akteuren macht. Das ständige Behaupten, wenn nur gilt: up or out.“

 Das macht auch für Schauspielerin Anna Nigulis, die in der Rolle der ehrgeizigen Bianca das ungleiche Manager-Duo aufmischt, den Reiz aus: „Das Verhältnis dieser Drei bleibt immer undurchsichtig, weil sie gleichzeitig mit- und gegeneinander agieren. Daraus entwickelt sich eine eigene Dynamik.“

 Um dem Trio, das im Film von Devid Striesow, Sebastian Blomberg und Katharina Schüttler gespielt wird, näherzukommen, hat das Ensemble, zu dem Liesa Strehler und als Neuzugang von der Schauspielschule Hamburg Christian R. Meyer (Niederländer) gehören, ausgiebig recherchiert. „Wir mussten erstmal in diese seltsam unpersönliche und sehr komplexe Managerwelt eintauchen und die Normalität dieses Geschäftswesens verstehen“, sagt Dentler und hat sich „für die Fuck-the-world-Haltung“ auch noch einmal Scorseses grelle Groteske Wolf of Wall Street angeschaut. „Diese Leute denken, sie haben die Macht, die Welt zu bewegen – aber letztlich sind sie nur Soldaten, Vollstrecker eines menschenfresserischen Systems.“

 Nicht ganz leicht fiel es dem Regisseur, bei der Bühnenarbeit die Filmvorlage wieder auszublenden: „Das muss man aber. Das funktioniert nur, wenn man sein eigenes Ding daraus macht.“ Anna Nigulis sieht das ähnlich: „Wir sind etwas jünger als die Schauspieler im Film – darüber erzählt sich die Geschichte schon anders. Und man muss in den Text und die Rollen reingehen und sie sich von innen heraus erarbeiten. Dann entsteht etwas Eigenes.“

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