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Defizite im Dialog

Kiels Kultursenat wird reformiert Defizite im Dialog

Es könnte ein wenig frostig werden auf der Dachterrasse der Uni-Hochhauses, wenn am Freitag langjährige Mitglieder des Kultur- und Wissenschaftssenates auf Einladung ihres Vorsitzenden Prof. Lutz Kipp zusammenkommen. Nicht zu einer Sitzung, sondern zu einem Umtrunk. Denn es ist das letzte Treffen in dieser Runde.

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Der Präsident lädt ein: Auf der Dachterrasse des Uni-Hochhauses kommen Mitglieder des Kultursenats in bisheriger Besetzung am Freitag letztmals zusammen.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel.. Die Ratsversammlung hatte im Mai einmütig beschlossen, auf Kipps Initiative und unterstützt von Kulturdezernent Wolfgang Röttgers, die Satzung von 2001 zu revidieren und das Gremium neu aufzustellen. Von dem Vorhaben hat manches der 14 Mitglieder Ende April aus den Kieler Nachrichten erfahren. Im Senat wurde es nicht diskutiert. Hier war das letzte große Thema der Kieler Kulturpreisträger 2016: Ulrich Behl wird am 26. Juni im Rathaus geehrt. Erneut eine klare, unumstrittene Entscheidung.

 So sinnvoll Verkleinerung und Neuaufstellung des Gremiums sein mögen, so wenig ist manchem Senator nach einem Umtrunk zumute, weil er sich schlicht übergangen fühlt. Das haben acht Mitglieder in einem Schreiben am Kipp und Röttgers auch artikuliert: Einer Reform des Kultur- und Wissenschaftssenates, heißt es da, „hätte vermutlich keiner der Unterzeichner widersprochen“. Allen sei schließlich bewusst, dass immer mal wieder die Frage nach Sinn und Effizienz gestellt, mangelnde Außenwirkung diskutiert und bisweilen das Bild eines zahnlosen Tigers gezeichnet worden war. „Ohne jedwede Rücksprache“ hätten nun der Vorsitzende und Vertreter der Stadt Kiel die Diskussion beendet. „Bis zum heutigen Tag ist kaum einem der Senatsmitglieder offiziell eine Mitteilung über die Änderungen gemacht worden“. Während einige Infos teils über die Ratsfraktionen durchsickerten, wurde eine für April geplante Sitzung vom Vorsitzenden abgesagt.

 Dieses resolute Vorgehen „hinter dem Rücken eines demokratisch eingesetzten Gremiums“ empört die Unterzeichner Götz Dietsche, immerhin stellvertretender Vorsitzender, Jürgen Spickhoff, Helga Helmig, Holger Henze, Jens Rönnau, Eduard Thomas, Siegfried Oechsle und Javier Gomez-Montero: „Als angemessenen Weg hätten wir eine offene Debatte im Kultur- und Wissenschaftssenat empfunden.“

 Zehn Tage vor dem Umtrunk in absehbar kleiner Runde beschrieb nun der Uni-Präsident, auch laut neuer Satzung Vorsitzender, in seiner Einladung den erweiterten Aufgabenbereich des Senates: Das Gremium solle „neue Veranstaltungsformen an der Berührungsfläche von Wissenschaft und Kultur entwickeln und die Sichtbarkeit dieser Bereiche in der Stadt erhöhen“. In diesem Kontext wird neben Kultur- und Förderpreis Kultur sowie Wissenschaftspreis künftig ein Innovationspreis für herausragende Leistungen im angewandten technologischen Bereich ausgelobt.

 Für ihr langjähriges, oft ehrenamtliches Engagement will Physiker Kipp am Vortag der Kieler Woche allen bisherigen Mitgliedern „herzlich danken“. Von denen viele wiederum Anlass sehen, nach dem Wert des Ehrenamtes zu fragen. Sie haben gehört, dass künftig „fast ausschließlich angestellte Personen aus öffentlich finanzierten Einrichtungen“ im Senat sitzen sollen. Offiziell werden über die vier „aktiven und einflussreichen Personen aus den Bereichen Musik, Theater, Bildende Kunst, Literatur, Architektur und Digitale Medien“, die neben den drei durchaus unterschiedlich kulturaffinen Kieler Hochschulpräsidenten den neuen Senat bilden, noch vor der Sommerpause Kulturausschuss und Rat beschließen.

 Ein stilvoller, ein reibungsloser Übergang sieht anders aus. Dabei macht die Satzungsänderung als solche durchaus Sinn: Man will den Dialog befördern. Nur zu – da gibt es viel zu tun!

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Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion

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