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Ein Spiel ums Verstehen

„Lost and Found“ hat Premiere im Werftparktheater Ein Spiel ums Verstehen

August ist genervt. „Ja, ich mach ja schon !“ mault er und begibt sich widerwillig in sein Kinderzimmer, in dem es aussieht, als habe eine Bombe eingeschlagen. August soll aufräumen.

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Statt Möbel bunte Bauklötze: Regisseurin Astrid Großgasteiger inmitten ihrer „Traumvorstellung von einem Kinderzimmer“.

Quelle: ehr - Marco Ehrhardt

Kiel. Er ist sechs und würde alles, was er nicht auf Anhieb an den richtigen Platz stellen kann, am liebsten im Mülleimer entsorgen. Als dann plötzlich Judy auftaucht, die gut gelaunt Hilfestellung anbietet, dabei aber nur Englisch spricht, wird für August aus dem lästigen Auftrag bald ein herrliches Spiel.

 Lost and Found heißt das deutsch-englische Kinderstück von Rike Reiniger, das am Sonnabend Premiere im Werftparktheater hat. Theaterchefin Astrid Großgasteiger hat es 2009 schon einmal in Salzburg inszeniert – nach Malala ihr zweiter „und letzter“ Import aus ihrer ehemaligen Wirkungsstätte. Das Bühnenbild hat sie für die Kieler Probebühne ihrer „Traumvorstellung von einem Kinderzimmer“ angepasst und anstelle von Möbeln überdimensionale bunte Bauklötze aufgebaut, zwischen denen vom Spielzeugauto bis zur Zahnbürste, vom Kuscheltier bis zum Kochlöffel alles Erdenkliche herumliegt, das im Laufe des Spiels auf Englisch benannt wird. Die 36-Jährige schätzt zweisprachige Kinderstücke und findet es bedauerlich, dass die Auswahl so verhältnismäßig klein ist. „Das Miteinander zwischen August und Judy ist so interessant, weil es zeigt, dass Kommunikation unter Kindern oft so viel leichter und intuitiver ist als unter Erwachsenen, bei denen das Nachdenken oft im Wege ist.“ Während Judy also munter auf Englisch drauflos plappert und August zunächst nur Bahnhof versteht, entwickelt sich zwischen beiden mit Lust an Kreativität und Erfindungsreichtum schnell ein Spiel, das ein gegenseitiges Verstehen erleichtert.

 In Salzburg hat Astrid Großgasteiger mit dem Stück für Kinder ab fünf Jahren gute Erfahrungen gemacht. „Die Eltern hielten es allerdings oft schwer aus, die englischen Worte nicht zu übersetzen“, erinnert sie sich. Das sei schade, denn ein wichtiger Baustein des Spiels würde dadurch quasi konterkariert. „Ich überlege daher schon, ob ich ein Schild anbringen soll: Bitte nicht übersetzen!“ Auf die vor der Kieler Premiere oft gehörte Frage, ob die Kinder für die Konfrontation mit einer fremden Sprache nicht zu jung seien, hat sie gleich zwei gute Antworten: „In Salzburg hörte man die Kinder beim Hinausgehen begeistert Vokabeln aufsagen.“

 Als wäre das nicht schon positive Bestätigung genug, kann sie auch mit Forschungsergebnissen eines Sprachwissenschaftlers aus Hamburg aufwarten, der feststellt, die optimale Phase für den Zweitspracherwerb bei Kindern läge im Alter zwischen drei und fünf Jahren. Dennoch verbindet Großgasteiger mit ihrer Inszenierung kein pädagogisch-wissenschaftliches Sendungsbewusstsein. „Am Ende des Stückes haben beide sich kennengelernt, haben herrlich miteinander gespielt und das Zimmer ist aufgeräumt“, so die Regisseurin. „Um das Englisch-Können geht es im Grunde gar nicht, sondern darum, Spaß zu haben und sich Gedanken über Kommunikation zu machen.“

 Junges Theater im Werftpark. Premiere am Sonnabend, 16 Uhr. Karten: Tel. 0431 / 901901, www.theater-kiel.de

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