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Musikant und Stimmwunder

SHMF Musikant und Stimmwunder

Klaus Florian Vogt würden die Herzen der Zuhörer auch zufliegen, wenn er nur betörend säuseln und neckische kleine Liedszenen mit seiner Frau und Managerin Silvia Krüger aufführen würde. In der Christkirche Rendsburg hat er am 20. September seinen gesundheitsbedingt ausgefallenen Liederabend beim diesjährigen SHMF nachgeholt.

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Ein phänomenaler Holsteiner: Heldentenor Klaus-Florian Vogt.

Quelle: Tim Schober

Rendsburg. Die in Lübeck studierte Sopranistin Krüger, die an der Seite von Peter Hofmann im Hamburger Phantom der Oper in den frühen Neunzigern jahrelang die Christine sang und auch mal Engagements an der Oper Kiel hatte, ist im nachgeholten SHMF-Konzert des Bayreuth-Stars so etwas wie ein Comedy-Sidekick. Vogt lenkt schon mit den erotisch aufgeladenen Petitessen von SHMF-Schwerpunktkomponist Joseph Haydn amüsant auf Intimes hin, verrät, mit welchem Brahms-Lied er seine Herzensschöne jeden Morgen weckt und entwickelt sichtlich eine Art Musikantenstadl-Freude daran, sich in Brahms’ Vergeblichem Ständchen oder den verwandten Zugaben mit seiner Frau im Klischee-Gewand des Tenor-Deppen zu „daten“.

 Aber der sympathische Naturbursche aus Brahms’ Vaterstadt Heide, mit dithmarschentreuem Wohnsitz in Brunsbüttel und hohen Ehren als Kunstpreisträger des echten Nordens, ist tatsächlich auch ein bedeutender Sänger – und sogar ein guter Liedgestalter. Vogt trifft sehr genau den scheinbar harmlosen Ton von Gustav Mahlers Liedern eines fahrenden Gesellen, die „schöne Welt“ darin, die dann heillos in den Abgrund kippt. Immer wieder frappiert, wie mühelos die lyrisch zarte Stimme des 46-Jährigen ins Pianissimo absinken und in sehr geschickter Registerabmischung in die Höhe steigen kann. Und wie sie sich plötzlich mit Laserstrahl-Stärke zu bündeln vermag, um Mahlers „glühendes Messer“ noch in den letzten Winkel der großen und voll besetzten Christkirche zu bohren. Das „Weh“ und „Ade“, „Lieb und Leid und Welt und Traum“ entsteht wie von selbst und entschwebt schwerelos – kaum zu glauben, dass hier ein Heldentenor des schweren Wagner-Kalibers singt.

 Auch besonders populäre Lieder von Richard Strauss (Heimliche Aufforderung, Ruhe, meine Seele, Zueignung, Morgen, Cäcilie) erscheinen in hell strahlendem Licht und vorbildlicher Textdiktion.

 Jobst Schneiderat gibt sich am Steinway-Flügel ganz als Begleiter, geht sensibel mit, hat im Leisen seine Qualitäten. Als ebenbürtiger Lied(mit)gestalter ist der Solorepetitor der Dresdner Semperoper und Assistent in Bayreuth aber fast ein Ausfall: Da fehlt es bei Brahms an satten Farben, bei Mahler an grell flammender Expressivität, bei Strauss an pianistischem Zauber. Dabei würde doch Vogts Wunderstimme jeden noch so aufmüpfigen Anwurf des Klavier locker wegstecken ...

www.shmf.de

www.klaus-florian-vogt.de

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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