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Immerhin ein Ritter...

„Bliev doch to’n Fröhstück“ in Kiel Immerhin ein Ritter...

Das war mal eine Spielzeiteröffnung nach Maß. Nicht nur, dass mit Bliev doch to'n Fröhstück aus der Feder des britisch-amerikanischen Autoren-Duos Ray Cooney und Gene Stone (niederdeutsch von Jochen Schütt) eine wirklich gute Komödie auf dem Spielplan der Niederdeutschen Bühne Kiel stand.

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Gegensätze auf der Bühne: Ingo Büchmann als „Ecki“ Schmidt, Sofie Köhler als Tina.

Quelle: hfr

Kiel. Nein, zur Begrüßung war auch die bekannte, in Nortorf geborene Schauspielerin Sabine Kaack zu Gast. Als frisch gebackene „Offizielle Botschafterin des niederdeutschen Theaters als nationales immaterielles Kulturerbe der Unesco“ trommelte sie ungemein sympathisch für die niederdeutsche Sprache und ihre Kultur.

 Dann öffnete sich der Vorhang. Und eigentlich ist die von Regisseur Jens Böke stilsicher und sensibel in Szene gesetzte Geschichte des Stückes ziemlich simpel. Unterhalb der Handlungsebene allerdings brodelt es gewaltig. Tina ist ein Teenager zum Abgewöhnen. Chaotisch, rotzfrech, egoistisch und – hochschwanger. Eines Tage steht sie plötzlich in der Tür des biederen Versicherungssachbearbeiters Eckart „Ecki“ Schmidt. Und mit ihrer ungeschminkten Unverschämtheit bringt sie die penibel strukturierte Welt des Endvierzigers natürlich gründlich durcheinander.

 In der mit Häkeldecke, Streifentapete, Hausbar und Bücherwand dekorierten Wohnung (Bühne: Rainer Kühn) achtet Ingo Büchmann genau darauf, dass sein „Ecki“ zwar spießig, vielleicht auch weltfremd, aber nie dusselig wirkt. Denn die Komik seiner Figur liegt in der unbedingten moralischen Integrität, die auf die besinnungslose Anarchie einer entwurzelten Jugendlichen trifft. Sofie Köhler als Tina ist neu im Ensemble und eine echte Entdeckung. Sie gibt ihre Figur als derart penetrante Nervensäge, dass Kelly Osborne dagegen wirkt wie die Klassenbeste einer christlichen Internatsschule.

 Dennoch gelingt es Bökes einfühlsamer Dialogregie stets zu zeigen, dass hinter der Göre eine verletzliche, nach Sicherheit dürstende junge Frau steckt, und dass hinter „Eckis“ Korrektheit eigentlich ein echter Kerl schlummert, dessen heimliches Heldentum sich über Nächstenliebe und Verantwortung definiert. Ein Ritter im biederen Einreiher, sicher. Aber immerhin ein Ritter.

 Dazwischen gibt Jannis Mieck als halbwüchsiger Jimmy einen so ätzenden, bock- und respektlosen Nachbarn, dass die Elterngeneration im Publikum erneut den Erziehungsratgeber zur Hand nehmen möchte. Großer Beifall.

Vorstellungen: Theater am Wilhelmplatz. Do. 6.10./Fr. 7.10. (jew. 20 Uhr); Sa. 8.10./So. 9.10., Sa. 15.10./So. 16.10 (jew. 18 Uhr); .Do, 20.10. /Fr, 21.10. (20 Uhr); Sa. 22.10./23.10. (jew. 18 Uhr). Karten: Tel. 0431 / 901 901, www.niederdeutschebuehne-kiel.de

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