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Das Singen des Planktons

Komponist Shih im Interview Das Singen des Planktons

Der in Wien lebende taiwanesische Komponist Shih ist in Kiel schon ein guter Bekannter der Kieler Philharmoniker. Am Sonntag werden anlässlich des 350. Gründungsjubiläums der Uni Kiel gleich zwei Werke von dem 54-Jährigen an der Förde uraufgeführt: Schweigendes Meer und Tanzendes Meer.

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Der Komponist Shih im Jahr 2008 nach der Kieler Uraufführung seines Klavierkonzertes mit der Pianistin Anika Vacic.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. Der in Wien lebende taiwanesische Komponist Shih ist in Kiel schon ein guter Bekannter der Kieler Philharmoniker. Am Sonntag werden anlässlich des 350. Gründungsjubiläums der Kieler Universität nun morgens im Philharmonischen Konzert und abends im Zoologischen Museum gleich zwei Werke von dem 54-Jährigen an der Förde uraufgeführt: Schweigendes Meer und Tanzendes Meer.

Ihr neues Werk „Schweigendes Meer“ steht in den Philharmonischen Konzerten im Kontext berühmter Kompositionen von Mendelssohn, Britten und Debussy, die mit Wasser und Ozeanen zu tun haben. War das von Anfang an die Idee?

Georg Fritzsch rief mich am 6. Januar an, tief beeindruckt von der besonderen Stimmung des Plankton-Saales im Meeresbiologischen Museum, den ihm Professor Bosch kurz davor gezeigt hatte. Wenn die Kieler Philharmonie, so entschied er spontan, zu dem bevorstehenden Universitätsjubiläum etwas Originäres beitragen wolle, müsse dies eine Musik ohne Melodie und Rhythmus sein, und dafür komme nur ein Komponist in Betracht: Shih. Ich verstand Fritzsch zunächst gar nicht, ich war unterwegs, die Telefonverbindung war schlecht, ich hörte immer nur „Klangturm“. Aber dann klärte er mich auf und lud mich auch gleich ein, nach Kiel zu kommen, um an Ort und Stelle herauszufinden, wie das Thema Plankton auf mich wirken würde.

Gibt es überhaupt ein „schweigendes Meer“? Was ist die Idee dahinter?

Alles, was das „Schweigen“ des Meeres durchbricht, sind äußere Einflüsse, in erster Linie der Wind. Unter den Meereslebewesen hingegen, deren überwältigende Mehrheit ja das Plankton bildet, herrscht eine große, geheimnisvolle Stille. Als gebürtiger Insulaner aus Taiwan bin ich mit dem Erlebnis Meer aufgewachsen und davon bis heute geprägt. Aus diesem Grund zieht es mich auch regelmäßig von Wien nach Venedig, und nun freue ich mich über meine Wiederkehr nach Kiel.

Es ist als „Klang-Installation“ ausgewiesen. Was bedeutet das?

Fritzsch schwebte eine Komposition vor, die die einzelnen Bestandteile des Planktons symbolisiert – mit Musikern, die über den Klangraum verteilt sein sollten. Ich hatte in dieser Richtung bereits einschlägige Erfahrungen gesammelt, als ich 2011 zur 100-Jahr-Feier der Gründung der Republik China eine Arbeit abgeliefert hatte, bei der ein großes Orchester mit 72 Pauken sowie einem 400-köpfigen Frauen- und einem 200-köpfigen Kinderchor zum Einsatz gekommen waren. Fürs Orchester wünschte der Dirigent die gleiche Besetzung wie für Debussy’s La Mer. Die Chöre symbolisieren die Lebensweise des Planktons.

Woran arbeiten Sie derzeit? Und was sind Wunschprojekte in der Zukunft?

Momentan bin ich noch von der Arbeit an den zwei Auftragswerken für Kiel erschöpft. Aber sobald ich wieder bei Kräften bin, werde ich mich Zug um Zug drei Musiktheaterprojekten zuwenden, für die bereits die Vorarbeiten abgeschlossen sind.

Interview: Christian Strehk

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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