17 ° / 16 ° Regen

Navigation:
Auf Noldes Spur im Norden

Überraschungsfund in Kieler Wohnung Auf Noldes Spur im Norden

Zwischen Seebüll, Kiel und Gottorf wird 2017 mit wichtigen Ausstellungen Emil Nolde im Norden in den Fokus gerückt. In Flensburg wirft der 150. Geburtstag des Malers schon jetzt seine Schatten voraus. Zudem überrascht das Museum mit einem Fund von Nolde-Briefen, die in Kiel aufgetaucht sind. 

Voriger Artikel
Neues im Bekannten
Nächster Artikel
Ritter in der Rumpelecke

Naturgewaltig: Emil Noldes Gemälde „Hohe Wogen“ (hier im Ausschnitt) aus dem Jahr 1939.

Quelle: Foto: Museumsberg

Flensburg. Neben der Stiftung habe wohl kein Museum im Land eine so intensive Beziehung zu dem Maler wie der Museumsberg, sagt Direktor Michael Fuhr, der die beiden Nolde-Räume in der Gemäldegalerie farbfrisch und in neuer zeitgemäßer Konzeption umgestalten ließ.

 Noldes Beziehung zu Flensburg begann 1884, als er in die Lehrwerkstatt des Möbelfabrikanten Heinrich Sauermann eintrat. Ein gestrenger Lehrer und Herr war in den Augen Noldes. Nein, geliebt hat er ihn nicht, aber die Tüchtigkeit dieses Mannes bewundert, dem die Stadt ihr Kunstgewerbemuseum verdankt. „Eine meiner letzten Schnitzarbeiten waren vier tiefsinnige Eulen für den Schreibtisch Theodor Storms“, bilanziert Nolde später etwas ungnädig seine ersten Schritte, in denen „freie Kunstäußerungen“ rar gewesen seien.

 Die Verbindung zu Flensburg und seinem Museum sollte für Nolde nicht mehr abreißen. Bis ins hohe Alter beschickte er mehrere Einzel- und Gruppenausstellungen, lagerte hier seine Gemälde zwischen und korrespondierte mit wechselnden Direktoren. Drei Gemälde, ein gutes Dutzend Aquarelle, Lithografien und Radierungen zählt die Sammlung, die sich jetzt in neu konzipierten Räumen präsentiert. In tiefes Dunkelviolett ist der erste der beiden Säle getaucht, der die Gemälde und großformatigen Blumenaquarelle zum Leuchten bringt; grasgrün ist der Fond für die Grafik im Nebenraum.

 In zwei Vitrinen stellt das Museum der Öffentlichkeit erstmals einen Nolde-Schatz vor, den Michael Fuhr als „kleine Sensation“ bezeichnet. Gezeigt wird hier eine Auswahl eines Konvoluts von knapp 50 Briefen, die Nolde zwischen 1905 und 1916 an den zweiten Flensburger Direktor Ernst Sauermann schrieb. Der hatte die Korrespondenz in seiner Kieler Wohnung offenbar so sicher verwahrt, dass sie den Krieg unbeschadet überstanden habe. Die 300 Quadratmeter in „bester Lage“, nur soviel darf Fuhr verraten, seien bis vor wenigen Jahren noch von der Tochter bewohnt gewesen, die im Alter von 90 Jahren gestorben ist. Weil die Dokumente nach preußischem Beamtenrecht städtisches Eigentum sind, überließ der Nachlassverwalter sie nun dem Flensburger Museumsberg. Zur uneingeschränkten Freude von Provenienzforscherin Kirsten Fitzke, die im Sommer ihre Arbeit am Museumsberg aufgenommen hat. Sie sichtet die Briefe, transkribiert sie und bereitet eine Edition vor, die im März 2017 erscheinen soll. Für die Kunsthistorikerin auch deshalb ein großer Gewinn, weil sich neben den Nolde-Briefen Sauermanns gesamte Korrespondenz der Jahre 1904 bis 1921 im Nachlass befunden habe. Kein Wunder also, dass im Museumsarchiv aus der frühen Geschichte des Hauses so wenig Material vorhanden war. Eine andere Lücke wird sich nach Aussage der Provenienzforscherin wohl nur schwer schließen lassen: „Die Zeit des Nationalsozialismus“, sagt Kirsten Fitzek, „es sieht so aus, als hätte man in Flensburg 1945 sehr aufgeräumt.“

 Die finanziellen Mittel für die neuen Sammlungsräume stellte der Flensburger Kunstverein zur Verfügung. Ohne ihn, sagt Michael Fuhr, wären weder das neue Lichtsystem, noch der geplante Katalog zu finanzieren gewesen. Dass auch Noldes Künstlerkarriere durch glückliche Umstände begünstigt wurde, zeigt die in Flensburg komplett vorhandene Serie seiner Bergpostkarten. Nolde verkaufte die gesamte Auflage von 100000 Stück in nur zehn Tagen und sicherte sich damit den Weg in die ersehnte künstlerische Selbstständigkeit.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3