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Bewegende Visionen

Konzert in der Martinskirche Bewegende Visionen

Zutiefst bewegend endete am Sonntag das Konzert Das verlorene Paradies mit der Aufführung des Chorwerks Adams Klage von Arvo Pärt in der Projensdorfer Martinskirche.

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Ergreifende Klänge: Der Rachmaninowchor Kiel sang „Adams Klage“ von Arvo Pärt.

Quelle: bk

Kiel. Gunther Strothmann führte seinen Rachmaninowchor mit traumwandlerischer Sicherheit durch das acht Jahre junge Werk des estnischen Komponisten. Die nebeneinander liegenden Clustertöne, die kantigen Akkorde jenseits gängiger Chorsatzstruktur gelangen dem engagiert singenden, rund 60-köpfigen Ensemble bravourös.

 Die Wirkung der modernen, für Klassik-Hörer oft unbequem disharmonisch klingenden Töne, war enorm. So erstand aus Orchester- und Stimmenklang die Vision des ersten Mannes auf Erden, der die Tragweite des Sündenfalls und die Vertreibung aus dem Paradies für seine Nachkommen erkennt und darüber in eine schmerzhaft-bittere Selbstanklage versinkt. Pärt vertonte einen 1956 vom orthodoxen Mystiker und Mönch Starez Siluan veröffentlichten Text.

 Behutsam hatte Strothmann im großartig durchkonzipierten Konzert den Zuhörern zuvor den Weg aus unverbindlicher Oberflächlichkeit zu Pärts zunehmend sphärisch eingedunkelter Ton-Stimmung geebnet. Mit einer idyllisch heiteren, wie ein Familienfest in blühender Sommerwiese klingenden Sinfonie in D-Dur Carl Philipp Emanuel Bachs holte er mit dem Klassikensemble Kiel die Zuhörer ab, führte sie lautmalend erzählerisch zu Ottorino Repighis Gli ucelli („Die Vögel“). Mit der zweiten zeitgenössischen Rarität und ersten Heiligenerzählung im Programm, Schuschanik von Edward Mirzoyan, waren die Weichen für Pärts berührende Klage gestellt. „Die kleine Lilie“, wie das Werk des Armeniers auf Deutsch heißt, berichtet vom Martyrium einer Frau, die es ablehnt, konvertiert zu werden. Mit Vorsicht und Geschick hatte Strothmann die komponierten Seufzer, Schreie und das Wimmern, zuletzt die ersterbenden Herztöne im Bass aus dem flächigen Orchesterklang emporgehoben. – Der zweite Gänsehaut-Moment in einem schweren, aber großartigen Konzert-Abend.

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