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Creedence Clearwater Revived frönten dem Swamp Rock

Konzert in Kiel Creedence Clearwater Revived frönten dem Swamp Rock

Creedence Clearwater Revived spielten am Freitag in der gut besuchen Räucherei unkompliziert und unmittelbar nach vorne. Im Gepäck hatten sie eine hohe Hit-Frequenz. Die Stimmung: zwischen gebannt und gemütlich. 

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Johnnie Guitar Williamson mit seiner Band beim Konzert in Kiel.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Bei Rocklegenden kommt es auf das Kleingedruckte an. Denn oft ist die Zeit von Ruhm und Einigkeit kurz, der währenddessen aufgebaute Name aber viel zu groß, als dass man nach der Trennung einfach ein neues Kapitel aufschlagen könnte. Im Fall der Swamprocker Creedence Clearwater Revival zählte zu den Folgen der Bandauflösung im Herbst 1972 zum einen die Solo-Karriere von Sänger John Fogerty und zum anderen die Gründung von Creedence Clearwater Revisited durch die ehemaligen CCR-Mitglieder Doug Clifford und Stu Cook in den Neunzigerjahren.

Dies sollte man wissen, um am Freitagabend in der bestens besuchten Räucherei nicht auf falsche Gedanken zu kommen. Hier spielen nämlich Creedence Clearwater Revived, eine weitere CCR-Cover-Band, die allerdings ohne Gründungsmitglieder des Originals auskommt. Stattdessen steht mit Peter Barton ein Mann am Mikrofon, der sich seinen Namen vor allem als Sänger einer ebenfalls nicht ganz waschechten Ausgabe der legendären Animals machte.

So weit, so kompliziert. Live geht die Revived-Ausgabe der legendären Rockband allerdings unkompliziert und unmittelbar nach vorne los. Der Abend beginnt mit Rollin’ On A River und Barton erinnert mit seiner kehlig-heiseren Stimme durchaus entfernt an den John Fogerty der Sechzigerjahre, hat dabei allerdings auch Nuancen von Joe Cocker beziehungsweise Hans Hartz zu bieten. Der Sound von Creedence Clearwater Revived wirkt dabei so souverän und bärig wie die Mitglieder des Projekts selbst. Routiniert trommelt Walter Day in bester Sumpfrock-Manier, mit Selbstverständlichkeit steuert Gitarrist Johnnie Guitar Williamson, einst Mitglied der norwegischen Kultband Titanic, bluesige Kommentare zu Bartons Reibeisengesang bei und ergänzt diese durch kompakte Soli. Bei ihren Cover-Versionen bleiben Creedence Clearwater Revived stets dicht am Original, so dass man durchaus von einer historischen Aufführungspraxis sprechen kann.

Die Hit-Frequenz ist dabei von Anfang an hoch: I Put A Spell On You, Run Through The Jungle oder As Long As I Can See The Light sind durchweg Selbstläufer, auf der Räucherei-Galerie wird hier und da sogar mitgetanzt, vor der Bühne auf Zuruf auch mitgeklatscht und -gesungen. Die Stimmung trifft exakt die Mitte zwischen gebannt und gemütlich. Indem Creedence Clearwater Revived Balladen, Up- und Midtempo-Nummern stimmig miteinander kombinieren, dabei mal den Blues- und dann wieder den Country-Faktor der Musik betonen, verläuft die erste Dreiviertelstunde des Konzerts angenehm abwechslungsreich. Dann verkündet Barton, dass es nun Zeit für alle sei, ein Bier zu trinken. Da hat keiner was dagegen.

Um nach der Pause instant wieder in Stimmung zu kommen, startet der zweite Set mit dem CCR-Überklassiker Bad Moon Rising, der prompt heftigen Schunkel-Alarm auslöst. Bei Cotton Fields demonstriert die Band zunächst harmonischen Gruppengesang, um den Refrain dann gemeinsam mit dem Publikum alla cappella zu singen. Dann geht es Schlag auf Schlag: Zu Down On The Corner präsentiert Johnnie Guitar Williamson ein einhändiges Solo, zu I Heard It Through The Grapevine spielt er im XXL-Format. Und schließlich dürfen im Finale auch Bassist Chris Allen und Drummer Walter Day einmal zeigen, wie viel Power in ihnen steckt. Mit einer zweiten Runde Rollin’ On A River schließen Creedence Clearwater Revived nach einigen Zugaben den Kreis. Großer Applaus für einen runden Abend.

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