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Radio Doria: Schlaflos in Kiel

Konzert in der Halle 400 Radio Doria: Schlaflos in Kiel

Es ist ein leicht entrückter, feinfühliger Popsong, mit dem Radio Doria diesen Abend eröffnen. Dann streift Meister Lampe langsam die Maske vom Kopf und vorsichtig lugt der Mann hervor, wegen dem letztlich alle hier sind: Jan Josef Liefers, Musiker mit „Tatort“-Hintergrund und Sympathieträger nicht nur der Damenwelt, wie ein Blick in den sehr gut gefüllten Saal verrät.

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Jan Josef Liefers ist gesanglich voll auf der Höhe seiner Stimmlage, die gut zu den harmonischen Songs passt und mit dem leicht naiven Bosse-Touch auch als Charme-Offensive bestens funktioniert.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Mit „Moin, Moin“, begrüßt er seine Fans, die gekommen sind, um „zwei geile Stunden“ mit Songs des immer noch aktuellen Albums „Die freie Stimme der Schlaflosigkeit“ zu feiern. Und die erklingt gleich bei „Radio Doria“: „Wenn du mich suchst, ich bin im Ozean, und bade mit den Sternen“, so schippert der inzwischen behütete Jan Josef auf Piano-Achtelnoten dahin und die Fans hängen an seinen Lippen. Sie warten geduldig mit ihm auf „Gute Nachrichten“, der Song ist wie einige des Konzerts ein makelloses Produkt aus der deutschen Popschmiede, in der auch Songs für Bouranis, Oerdings und Silbermonde unserer Welt gefertigt werden.

Aus dem Rahmen fällt da schon eher das „Mondlied“; hier richtet der Sänger zu spacigen Tontropfen den Blick gen Erdtrabanten und seine großartige Band bläst gekonnt die Lautstärke auf, um danach sanft wieder auf Traumlevel zu sinken. Dass er nicht nur stark im Background singen kann, zeigt Bassist Christian Adameit später beim The-Police-Cover „Next To You“.

Jan Josef Liefers ist gesanglich voll auf der Höhe seiner Stimmlage, die gut zu den harmonischen Songs passt und mit dem leicht naiven Bosse-Touch auch als Charme-Offensive bestens funktioniert.

Den Abend lockert er mit Witzen, Rätseln, persönlichen Geschichten und publikumsnahen Aktivitäten auf: Als eine recht junge Frau sich mit dem Ruf „Erste Nacht ohne Baby“ als Mutter outet, holt er sie zu sich. Die Auskunftsfreudigkeit der Dame zwingt Liefers zu dem Spruch: „Kein Wunder, dass du so früh Mutter geworden bist!“, dann stellt er spontan aus dem Publikum Tanzpaare zusammen, er selbst schnappt sich einen Herrn und man vergisst glatt, welcher Song gerade gespielt wird.

Es geht halt auch um das Erlebnis, das Gefühl, einen guten Abend verbracht zu haben.

Zu „Unbeschreiblich“ wird mit sattem Pathos und vielen Chören die große Emotionskiste aufgemacht, doch ob die Zeile zum Krieg, die laut Liefers nach einem Besuch in Syrien dazu gekommen ist, beim Angraben des Tränenkanals so gut platziert ist, sei dahingestellt.

„Zweifeln“ präsentiert der „Banjosef“ allein mit dem, genau: Banjo. Danach tauchen Ukulele, Akkordeon und Kastagnetten auf und wie auf Kommando erheben sich die Zuschauer von den Sitzen, viele Fans kommen nach vorn, wollen ihrem Star bei „Wo gehst du hin“ ganz nah sein. Zu „Ein Halleluja“ wird ein kleines Mädchen auf die Schultern genommen, bei „Verlorene Kinder“ werden Ballons durch den Saal getrieben, alle hüpfen, die Band bearbeitet Trommeln, alle klatschen, singen, Nicht-Sehende können plötzlich wieder…, nein, ganz so magisch wird es dann doch nicht. Aber die Atmosphäre ist schon eine besondere und die letzten Songs werden zum Soundtrack eines Radio-Doria-Films mit Jan Josef Liefers in der sympathischen und umjubelten Hauptrolle.

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