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Emil Brandqvist Trio mit lyrischem Jazz

Konzerte Emil Brandqvist Trio mit lyrischem Jazz

Es geht oft um Zeit in den Stücken des Emil Brandqvist Trios. Zeit, die unaufhaltsam verrinnt. Zeit, um etwas zu genießen. Um etwas zu tun. Zeit, um zu sich selbst zu finden. Bilderreich und fantasieanregend sind die eindrücklichen Kompositionen dieses noch jungen Dreiergespanns, das weit mehr Gäste verdient hatte als die rund 80, die ins Kieler Kulturforum gekommen waren. Die aber spendeten während des famosen, rund anderthalbstündigen Konzerts so heftigen Beifall, als wären sie mindestens doppelt so viele.

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Spielten bilderreiche, die Fantasie anregende Kompositionen: (von links) Tuomas Turunen, Emil Brandqvist und Max Thornberg.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Den zum Auftakt hauchzart gestrichenen Bass des Schweden Max Thornberg umspielt das sachte Geklöppel auf Becken und den sehr straff gespannten Trommelfellen seines Landsmanns Emil Brandqvist, am Piano tupft der Finne Tuomas Turunen leise erst einzelne Noten, dann etwas kräftigere Akkorde, Thornberg lässt die Saiten sirren und quietschen. Das Stück erwacht regelrecht, schält sich aus einem stellenweise brüchigen Anfangsstatus heraus zu einem stabilen Klanggebilde; die später zeitweise in einem marschähnlichen Rhythmus geschlagenen Jazzbesen verstärken den Eindruck eines Aufbruchs noch.

 Dieses scheinbare Ringen um Struktur und Harmonie sollte den Zuhörern noch einige Male begegnen an diesem Abend. Muster, die sich wandeln, ziehen sich durch fast sämtliche Stücke des Trios. Immer wieder sind da Wechsel von schnell zu langsam, von laut zu leise, immer sinnfällig, immer passend zu den Stimmungen. Etwa beim elegischen Grundton, in dem Den sista isbjörnen vom letzten Tag des letzten Polarbären erzählt, in dessen Lage sich Brandqvist für dieses Stück versetzt hat. Mal zusammen, mal einer allein zählen im Basistakt Tasten, Bass und Bass-Drum die Sekunden, darüber perlen filigrane Pianofiguren, am Ende lässt der Bass ein Herz pochen, bis die Töne langsamer werden und aufhören. Könnte kitschig sein, ist aber ergreifend.

 Ganz anders Savotta, ein vorwärtspreschendes Stück aus Tuomas Feder mit wirbelnden Piano-Akkorden, einem forsch und gelenkig ausschreitenden Bass und von Brandqvist eingangs mit bloßen Händen getrommelt, das vom Bäumefällen in Finnland handelt.

 Ohne lästige Pause, nur unterbrochen von Brandqvists unaufdringlichen Zwischenmoderationen, in denen er auf Englisch kurz erzählt, worum es in den Liedern geht, vergeht die Zeit im Flug. Zwei vehement geforderte Zugaben gibt es. Zunächst ein forsches Stück, für das es noch keinen Namen gibt, und zum Finale, passend, das besinnliche Sunset. Und noch einmal großer, ausgiebiger Beifall.

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