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Perspektiven der Hörträume

Konzertreihe Neue Musik Perspektiven der Hörträume

Der Flügelschlag eines Schmetterlings, so heißt es in der Chaos-Theorie, könne einen Weltensturm auslösen – oder auch nur einen flatterhaft flüchtigen Traum. Somit eine „Abweichende Weltwahrnehmung“, unter welchem Rubrum die Konzertreihe Neue Musik Eckernförde in diesem Jahr klangexperimentell musiziert.

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Das aufs Träumen erweiterte Ensemble reflexion K: (v.l.) Andre Bartetzki (Klangregie), Peter Gahn (Komponist), Lenka Zupovka (Geige), Jonathan Shapiro (Perkussion), Naoko Kikuchi (Koto), Beatrix Wagner (Flöte), Gerald Eckert (Komponist, Cello), Felix Kroll (Akkordeon), Joachim Striepens (Klarinette).

Quelle: Jörg Meyer

Eckernförde. Im Mittelpunkt des dritten Teils der Konzertreihe standen am Freitag in der Nicolai-Kirche Traumwelten im Vorder- und damit auch brüchigen Hintergrund. Was Traum, was Wirklichkeit ist im Klang, entscheidet vor allem die Perspektive des Hörers. Die zeitgenössische Klangforschung bewegt sich an den Grenzen des Wahrnehm- und für die Musiker des um die Koto-Spielerin Naoko Kikuchi erweiterten Ensembles reflexion K Spielbaren: im ohrenbetäubend Lauten und im kaum mehr vom Hintergrundrauschen der Stille Unterscheidbaren. Beide träumen den Klang mehr, als dass sie ihn ins Reale heben und eröffnen dem Hören somit ganz neue, zuweilen geradezu psychedelische Perspektiven.

So wie japanische Gemälde aus dem 17. Jahrundert die Farben vor strahlendem Goldgrund sowohl erbleichen als auch erleuchten lassen, erweckt Peter Gahn Assoziationen mit „ink, colours and gold on paper II/III“ (kombiniert mit den Sound- „surroundings“ von Akkordeon, Flöte, Schlagzeug und Cello). Er komponierte diese Werkreihe als multikulturellen und -klanglichen Reflex auf seinen acht-jährigen Japan-Aufenthalt. Auch seine dreiteilige Komposition „reading unicorn skulls – the town – engraved dreams“ spürt der Klangerfahrung nach, die man empfindet, wenn man einst auszog, das Fremde zu lernen, und nun als Fremder ins vermeintlich noch Vertraute zurückkehrt  beides in anderer Perspektive hörend.

Genauso „anders“ ist Gerald Eckert in „den angestoßenen Augen der Steine“ für Kontrabassklarinette, Violine und sie verfremdende Elektronik. Darin formen sich Klangräume in ihren mehrdimensionalen Perspektiven, schnurren aber zugleich wieder zusammen auf den einen fremden Ort des Nirgendwo, den man nur im Traum hören kann. Eben noch sang ein Vogel flatternd von der Freiheit in Tadao Sawais „Tori no Yoni“ auf der poppigen Koto, da entführt uns Eckert in sein neuestes, hier uraufgeführtes Werk mit dem treffenden Titel „außen, von tief innen“. Genauso sind nämlich die Perspektiven der Träume: vom zutiefst Inneren in ein Außen projiziert, das der Klang erst noch erträumen muss – und darin Schmetterlinge ihre Flügel spreitzen, damit daraus ein Sturm werde.

Abschluss der Konzertreihe, „Abweichende Weltwahrnehmung IV“: 14.11., 20 Uhr in der Nicolai-Kirche. Infos: www.neuemusik-eckernfoerde.de.

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