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Konzertsaal Kieler Schloss Intimer Hörgenuss

Der Ruf nach einer Lösung für den maroden Kieler Konzertsaal im Schloss wird lauter. Und die Wünsche werden bescheidener. Auch der Intendant des Schleswig-Holstein Musik Festivals zieht konkrete Aktion den kühnen Visionen der Vergangenheit vor: „Uns ist es wichtig, dass eine Stadt wie Kiel über einen funktionsfähigen Konzertsaal verfügt“.

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Verborgene Werte: Der Schlosskomplex mit (v.r.) Konzertsaal, dem Haupttrakt des ehemaligen Südflügels, Landeshalle und Rantzaubau.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Zumal in Kiel die Kartennachfrage traditionell boomt. 2015 sind hier acht Hochkaräter des SHMF angesetzt.

 Sich auf den vorhandenen Konzertsaal zu konzentrieren, ist für Kuhnt kein schmerzhafter Kompromiss: „Hier umschlingt das Publikum gewissermaßen die Kultur“. Der Intendant sieht hier „ein einzigartiges Beispiel einer gelungenen Architektur der 1960er Jahre“. So war der Architekt Herbert Sprotte Schüler von Hans Scharoun, dem Erbauer der Berliner Philharmonie. „Der Saal in diesem baulichen Schloss-Kontext ist architektur- wie sozialgeschichtlich bedeutsam.“ Wenn man weiter nicht in den Bestand investiere, würden die Mängel absehbar aber so gravierend sein, „dass ich mir ernste Sorgen um die Akzeptanz des Saales mache“. Statt unerfüllter Träume mache es weit mehr Sinn, im Rahmen einer Schönheitskur zunächst etwa in Sanitäranlagen und Technik zu investieren – und zugleich die „angenehme Intimität des Saales“ zu erhalten. „Wir müssen das Gute am Saal betonen, statt pausenlos die Mängel hervorzuheben“, propagiert Kuhnt.

 Auch er war an Gesprächen mit Oberbürgermeister Ulf Kämpfer beteiligt, um einen Lösungsweg zu finden, den die privaten Eigentümer allein nicht finanzieren können. Ohne öffentliches Geld wird es nicht funktionieren. Also muss Kämpfer die Voraussetzungen für eine Förderfähigkeit im Blick haben. Und zugleich ein Klima schaffen, in dem sich auch private Sponsoren und Mäzene angesprochen fühlen, dem Konzertsaal der Landeshauptstadt eine Zukunft zu geben. Auch das Land sieht Kämpfer in der Mitverantwortung: In die Lübecker Musik- und Kongresshalle seien vor 20 Jahren schließlich auch stattliche Summen geflossen. Und multifunktionale Nutzungsperspektiven habe auch das Kieler Schloss zu bieten, versichert Claudia Lohse für die Betreibergesellschaft Kiel Concerts.

 Natürlich müssen auch die Nachbarn ein großes Interesse haben, den weiteren Verfall des Konzertsaales zu verhindern und damit das denkmalgeschützte Schlossareal insgesamt zu beleben. Dessen stadt- und landesgeschichtliche Bedeutung im Kieler Bewusstsein stärker zu verankern, ist etwa das Anliegen des Ehepaares Cordelia und Rüdiger Andreßen. Es plant unter dem vielsagenden Arbeitstitel „Wo bitte geht’s hier zum Schloss?“ am 27. September ein Symposium, um klarzumachen, welche oft ungeahnte Bedeutung die heute eher unscheinbare Residenz für die Stadt und ihre Universität hatte. Architekt Björn Bergfeld (bbp), Vorsitzender des Kieler Beirats für Stadtgestaltung, sieht an diesem erhabenen Ort insgesamt große Zukunftspotenziale. Er kündigt im Zusammenhang mit dem geplanten „Schlossquartier“ einen ganz neuen Schlossplatz an. Zudem sollten neue Schnittstellen zum Wasser hin geschaffen werden. Vor Jahren hatte Bergfelds Büro vielbeachtete Entwürfe vorgelegt, die eine Öffnung des Konzertsaal-Foyers hin zum Wasser vorsahen.

 Für die „Schlossquartier“-Investoren der NGEG/Norddeutsche Grundstücksentwicklungsgesellschaft freut sich der geschäftsführende Gesellschafter Niels Bunzen, „diese hässliche Ecke schöner zu machen“. Es dürfte auch in seinem Interesse liegen, den Schlosskomplex nebenan aufzuwerten und zu öffnen. „Natürlich haben wir großes Interesse daran, dass dieser schöne Konzertsaal blüht, wächst und gedeiht“, sagt Bunzen. Er sieht hier eine „öffentliche Aufgabe“. Und zugleich eine hohe Gesprächsbereitschaft des Eigentümers und Konzertsaal-Betreibers.

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Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion

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