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Der Konzertsaal gewinnt ein Jahr

Sanierung Kieler Schloss Der Konzertsaal gewinnt ein Jahr

Die Stadt Kiel greift der Betreibergesellschaft Kiel Concerts finanziell unter die Arme, damit der defizitäre Veranstaltungsbetrieb im Kieler Schloss noch ein Jahr über den bisherigen Kündigungstermin hinaus weitergeführt werden kann. Der sanierungsbedürftige Saal kann ab sofort wieder gebucht werden.

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Für den sanierungsbedürftigen Konzertsaal im Schloss wird nach Perspektiven gesucht – vorerst ist der Betrieb bis Mitte 2018 gesichert.

Quelle: bos: Björn Schaller

Kiel. Ein wenig Druck ist raus, Zeit für eine nachhaltige Lösung gewonnen: Die Stadt Kiel greift der Betreibergesellschaft Kiel Concerts finanziell unter die Arme, damit der defizitäre Veranstaltungsbetrieb im Kieler Schloss noch ein Jahr über den bisherigen Kündigungstermin hinaus bis zum 20. Juni 2018 weitergeführt werden kann. Der sanierungsbedürftige Saal mit seinen rund 1400 Plätzen kann ab sofort wieder gebucht werden – ein wichtiges Signal etwa für das SHMF oder auch das Philharmonische Orchester Kiel.

 Die Vereinbarung, erläuterte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer gestern, sieht vor, dass sich die Stadt Kiel bis zu einem Höchstbetrag von 50000 Euro an einem möglichen Defizit beteiligt. Dieses Defizit hatte sich in den vergangenen Jahren auf rund 110000 Euro (2013) gesteigert. Deshalb hatte Kiel Concerts GmbH als Betreiberin des Konzertsaales im Kieler Schloss Ende 2015 angekündigt, den Veranstaltungsbetrieb zum 30. Juni 2017 aus wirtschaftlichen Gründen einzustellen – und damit für große Unruhe gesorgt.

 OB Ulf Kämpfer sagte gestern: „Der Konzertsaal ist ein unverzichtbarer Bestandteil des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens in Kiel. Er ist zentrale Spielstätte des Schleswig-Holstein Musik Festivals, der Kieler Philharmoniker und des NDR Sinfonieorchesters. Mit der getroffenen Vereinbarung bekommen alle Beteiligten erst einmal die dringend notwendige Planungssicherheit bis zum 30. Juni 2018.“ Die Verlängerung schaffe zudem Zeit, ein tragfähiges Zukunftskonzept für den Konzertsaal zu entwickeln, der sich wie das gesamte Schloss in privater Hand befindet und dringend saniert werden muss. Diese Investition, Kämpfer spricht von einem „niedrigen zweistelligen Millionenbetrag“, kann der private Betreiber nicht stemmen. Deshalb werden derzeit Wege geprüft, auch die Eigentumsverhältnisse des Saales in gemeinnützige bzw. öffentliche Mitverantwortung zu überführen. Das ist für eine künftig absehbar notwendige öffentliche Förderung wichtig. Auch eine große Lösung, ein Besitzerwechsel für das gesamte Schloss wird offenbar diskutiert, zumal mit Blick auf Kongresskapazitäten auch Festsaal und Fördefoyer bedeutsam sind.

 Der Oberbürgermeister kündigte gestern an, auf Basis eines von der Verwaltung erarbeiteten Leistungskataloges zeitnah ein Gutachten zu beauftragen, das bis zum Sommer die bisherigen Konzeptstudien aus dem Jahr 2009 des Kieler Büros bbp aktualisiert bzw. modifiziert. Dabei könne es bei dem bewährten Saal nur um eine Basis-Sanierung gehen – „für Utopien gibt es keinen Raum,“ verwies Kämpfer gestern erneut auf die begrenzten finanziellen Möglichkeiten der Stadt, auch wenn er in diesem Kontext auf Unterstützung des Landes setzt – da gab es gestern Freude über die Einigung und „wohlwollende“ Signale von Kulturministerin Anke Spoorendonk. Auch den Kreis etwa der bisherigen Konzertsaal-Nutzer hat der OB im Blick. Das Gutachten wiederum wäre Grundlage für ein Finanzierungs- und Eigentümerkonzept, bevor ein neuer Betreiber gesucht wird.

 Claudia Lohse, Geschäftsführerin der Kiel Concerts GmbH, und Ulf Kämpfer sind „optimistisch, dass es – bei gutem Willen aller Beteiligten – in überschaubarer Zeit gelingen kann, für den Konzertsaal Lösungen zu finden, die sowohl den dauerhaften Betrieb als auch die notwendige umfassende Sanierung sicherstellen.“ Die Meisterkonzerte wie auch die NDR-Konzerte, so Lohse, würden für eine weitere Saison fortgeführt, so dass es absehbar keinen spürbaren Bruch im Veranstaltungsbetrieb gebe. Der neue Schlusstermin 30. Juni 2018 freilich liegt (aus wirtschaftlichen Gründen) unmittelbar vor Beginn der 33. Spielzeit des SHMF. Und die will rechtzeitig geplant sein. Aber vorerst gab sich Intendant Christian Kuhnt gestern „uneingeschränkt glücklich“ über die Planungssicherheit für 2017.

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Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion

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