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Beim Konzertsaal ist die Stadt gefordert

Kieler Schloss Beim Konzertsaal ist die Stadt gefordert

Die drohende Schließung des Konzertsaales im Kieler Schloss zum 30. Juni 2017 hat besorgte Reaktionen ausgelöst, aber auch Anlass zu Appellen an die Adresse der Stadt gegeben.

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Gefährdeter Konzertort: Philharmonischer Chor und Orchester unter der Leitung von Georg Fritzsch im Schloss.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. „Es kann keine Landeshauptstadt ohne Konzertsaal geben“, sagt Kultur-Staatssekretär Eberhard Schmidt-Elsaeßer. „Eine Landeshauptstadt ohne repräsentativen, mit einem allmählich verkommenden Konzertsaal ist schon beklagenswert genug, aber Kiel gänzlich ohne einen Veranstaltungsort dieser Größenordnung ist eine Katastrophe“, beklagt die Vorsitzende der Musikfreunde Kiel, Selke Harten-Strehk.

 Zwar sei das Land in den Gesprächsrunden zur überfälligen Sanierung des Konzertsaales vertreten, sagt der Staatssekretär, eine Dauersubventionierung durch das Land sei jedoch kein Thema: „Hier ist zunächst die Stadt gefordert“. Und die Musikfreunde appellieren an die Stadt, „zielstrebig eine vernünftige, nicht nur um das Nötigste bemühte Lösung zu finden“. Nach dem Ultimatum der Schlossbetreiber „muss sich die Landeshauptstadt im Schulterschluss mit dem Land, Bürgern und Sponsoren trauen, ein Zutrauen zu ihrer kulturellen Identität zu gewinnen“ und dabei nicht nur eine „Ertüchtigung“ des Konzertsaales auf dem Stand von 1965 anstreben, sondern „Verbesserungen und damit neue Anreize zum Besuch des Schlosses als attraktives kulturelles Zentrum der auflebenden Altstadtinsel bieten“, formulierte Harten-Strehk.

  Sie untermauerte, was auch GMD Georg Fritzsch bereits am Vortag betont hatte: Für das Philharmonische Orchester „geht es nicht anders – es gibt definitiv keine Alternative“. Nach Fritzschs Überzeugung ist das Opernhaus für große Sinfonik zu klein und auch akustisch nicht geeignet. Zudem lasse der Spielplan ohne empfindliche finanzielle Einbußen keine Konzerte zwischen den Opernproduktionen mit ihren aufwendigen Bühnenbildern zu. Der GMD setzt für den Konzertsaal im Schloss mit Hilfe der öffentlichen Hand auf ein zweistufiges Modell, wonach zunächst einmal der Weiterbetrieb sicherzustellen sei und anschließend die Sanierung. Ein Gutachten soll Auskunft über deren Umfang und Kosten geben – der Tenor der bisherigen, von OB Ulf Kämpfer initiierten Gesprächsrunden war bisher, sich aus finanziellen Gründen auf das Notwendigste zu beschränken, zumal der Saal eine gute Akustik und ein intimes Raumerlebnis biete.

 Dass der aktuelle Zustand des Saales das wirtschaftliche Ergebnis der Betreibergesellschaft Kiel Concerts trüben könnte, wurde gestern angesichts der Pachtvertragskündigung vielfach vermutet. Die Marktlage insgesamt, heißt es etwa von der Lübecker Musik- und Kongresshalle, habe sich durchaus positiv entwickelt. So vermeldet die MuK Zuwächse bei Veranstaltungen und Besuchern – aber auch für 2014 einen (leicht gesunkenen) städtischen Zuschussbedarf von rund 485000 Euro. Kiel Concerts bezifferte das Defizit aus dem Veranstaltungsbetrieb für 2013 auf rund 111000 Euro. 2004 lag es noch bei rund 50000 Euro. Die beliebte Reihe der NDR-Sinfoniekonzerte wird das Fehl nicht erhöht haben. Doch auch sie ist mit der Kündigung des Betreiber-Pachtvertrages in Frage gestellt. Wobei der NDR wegen seiner Baukostenbeteiligung bis ins Jahr 2064 ein 99-jähriges Nutzungsrecht im Konzertsaalgebäude besitzt: Laut Vertrag muss die Grundstücksgemeinschaft Kieler Schloss gewährleisten, dass der Saal für Konzerte des NDR zur Verfügung steht.

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Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion

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Pachtvertrag gekündigt
Foto: Bald nur noch eine leere Hülle? Der vor 50 Jahren eröffnete Konzertsaal im Schloss wird den privaten Betreibern zu teuer.

Die Sorgen um die Zukunft des Konzertsaals im Kieler Schloss haben eine neue Dimension erreicht: Zum 30. Juni 2017 hat die Firma Kiel Concerts ihren Mietvertrag als Betreiber der Veranstaltungsräume gekündigt. Entsprechend kann der Konzertsaal dann vom SHMF oder den Philharmonikern nicht mehr gebucht werden.

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