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Karneval und Schwanengesang

Kubanische Show im Max Karneval und Schwanengesang

Der große Hype der Generation Buena Vista in den 1990-er Jahren ist zwar längst verblasst, aber mit "Pasión de Buena Vista" ist eine Show, die sich der Leidenschaft der kubanischen Musik vom Son bis zum Danzon aus Rumba, Mambo, Cha-Cha-Cha und Salsa verschrieben hat, nach wie vor erfolgreich unterwegs. Auch wenn es im Max-Nachtthater zunächst nicht so scheint.

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Salsa, Volants und kubanischer Son: „Pasión de Buena Vista“ zeigte sich als durchinszenierte Show.

Quelle: Foto: Björn Schaller

Kiel. Stuhlreihen auf der Tanzfläche – und die recht spärlich besetzt – verbreiten eher Kieler Winterstimmung als kubanisches Flair. Schauen wir mal, wie da Leidenschaft aufkommen kann. Zum Warmwerden gibt’s eine Prise Karneval mit den Tänzerinnen der Grupo de Bailar, die ihre grün- oder rotweißen Röcke und den Federschmuck auf den Köpfen schwingen. Die Buena Vista Band unter der Leitung von Ramon Puebla macht dazu fleißig Feuer unterm Salsa-Kessel – ohne ihn zum Kochen zu bringen. Wir sind eben nicht auf Kuba, sondern noch ganz in Kiel, das bekanntlich keine Hochburg des karibischen Karnevals ist.

 Doch bei der Leidenschaft geht es auf Kuba nicht nur um die der Tanzbeine, sondern auch die der Seele und des „Corazón“. Das schlägt mit Inbrunst im Klassiker Bésame mucho, den Sänger Alfredo Montero-Mojena, mit 77 Jahren der Älteste im ansonsten jugendlichen Ensemble der Enkel-Generation des Buena Vista Social Club, mit reichlich bebendem Vibrato in der Tenor-Stimme inszeniert. Nicht anders, wenn José Guillermo Puebla Brizuela und Felicita-Ethel Frias-Pernía den Klassiker Guantanamera anstimmen. Bei solchen Gassenhauern aus den Straßen Santiagos und Havannas taut das Kieler Publikum zwar nach wie vor nicht auf, aber immerhin schon mal an. Ein erstes Paar wagt sich von den Stühlen auf den Rest der Tanzfläche.

 Auf der Bühne geht es weiter im steten Wechsel zwischen Son-Arien und Rumba-Ballett, den zwei Arten der „Pasión“. Das wirkt zwar authentisch, aber nicht so, wie wir es von den Altvätern kennen, die Ry Cooder ab 1996 über die Bühnen der Welt(musik) schickte und damit jenen zu Beginn zitierten Hype auslöste. Die nicht ohne geschickte Dramaturgie durchinszenierte Show einen „Abklatsch“ dessen zu nennen, wäre sicher zu scharf kritisiert, dennoch lässt sich das Gefühl nicht verhehlen, dass man hier einer Art Schwanengesang lauscht.

 Auch solchem wohnt freilich Leidenschaft inne, die in kurzen Momenten mit früherer Intensität aufflackert. Etwa, wenn sich Trompete und Posaune im Cha-Cha-Cha gegenseitig befeuern, oder – stiller – die traditionelle Tres-Gitarre mit ihrem sehnig-sehnsüchtigen Saitenklang zu einem Solo ansetzt. Sogar der alte revolutionäre Geist des Son als Musik der so genannten Unterschicht lässt sich reanimieren, wenn in einem Song dem alten Genossen Che Guevara gehuldigt wird – allerdings ebenso mit dem Duft des Schwanengesangs behaftet.

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