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Kunstsinnig aus Tradition

Künstlermuseum Heikendorf Kunstsinnig aus Tradition

Schleswig-Holstein ist kein Land der Kunstsammler, und auch die Schwergewichte unter den Kunststiftungen sind eher in München, Düsseldorf oder Berlin zu Hause. Vor diesem Hintergrund ist das Engagement von Banken, Sparkassen oder Versicherungen für Künstler im Norden umso wichtiger. Die verlässlich gepflegte Tradition der Förde Sparkasse reicht bis ins Jahr 1786 zurück, als mit der Kieler Spar- und Leihkasse die dritte Sparkasse in Deutschland gegründet wurde.

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Blick in die Ausstellungshalle: Im Vordergrund eine Bronze von Koblasa, dazu Gemälde von Rickers, Nagel, Kleemann und ganz rechts von Cora Korte.

Quelle: Björn Schaller

Heikendorf. Aus Verbundenheit und Verpflichtung der Region gegenüber ist hier über die Jahrzehnte und Jahrhunderte auch eine beachtliche Kunstsammlung gewachsen, die, so der Tenor, auch weiterhin „anlassbezogen“ um regionale Positionen erweitert werde. Allen voran am Kieler Standort der Förde Sparkasse, wo der Bestand exakt 458 Werke zählt. Sabine Behrens, Leiterin des Künstlermuseums, weiß, wovon sie spricht, denn sie hat mit ihrem Team und eng unterstützt von Digicult die Aufgabe übernommen, den Kunstbesitz von Kiel, Eckernförde und Plön zu inventarisieren und zu digitalisieren. Als Leiterin eines Regionalmuseums sei es für sie naheliegend gewesen, auch eine Auswahl davon zu zeigen. Die 58 Gemälde, Kleinskulpturen und grafischen Blätter, die sie zu einer abwechslungsreichen Schau zusammengetragen hat, stammen vornehmlich aus Kieler Bestand, der inzwischen vollständig bearbeitet ist. Eckernförde und Plön können also noch Überraschungen bereithalten, denn dort sei die Arbeit noch nicht abgeschlossen, so Behrens.

Gekauft wurde und wird in der Region, das wissen kunstsinnige Sparkassenkunden, denn die Werke schmücken nicht nur die Vorstandsetagen. So sei die gezeigte Auswahl nun fast wie ein Treffen hiesiger Künstler, sagt Behrens. Sie fächert in der Ausstellungshalle des Museums zahlreiche Spielarten des Realismus auf: Alf Bachmann, Hans Rickers oder Peter Nagel machen da weite Zeitsprünge. Die Ostseeszene des norddeutschen Realisten (André Krigar) hängt etwas entfernt. Cora Korte (in der Vorstandsetage besonders beliebt, wie man hört) ist mit zwei großen, stilistisch sehr unterschiedlichen Leinwänden vertreten.

Aber auch jenseits der allseits bekannten Handschriften (Jan Koblasa, Ekkehard Thieme, Franziska Stubenrauch oder Ulrich Behl) lassen sich hier und da Wiederentdeckungen machen. So verträgt sich etwa eine Hinterglasmalerei von Antje Marczinowski hervorragend mit dem dezidierten Kalkül eines Eberhard Oertel. Sehenswert auch die grafische Auswahl aus Mappenwerken der Kieler Sammlung. Darunter – dem Pariser Drucker Fernand Mourlot sei Dank – auch eine amüsante Lithografie von Picasso. Der war selbstredend kein Schleswig-Holsteiner. Aber auch nicht Franco Costa, der in Rom geboren wurde. Dass dessen bildnerische Handelsware eben auch vor der Sparkasse nicht Halt machen konnte, verwundert kaum. Dass der im März Verstorbene mit zwei Druckgrafiken in der Ausstellung hängt, sei eine Geste der Heimatverbundenheit, sagt Sabine Behrens. Costa habe ja auch ein Atelier in Laboe gehabt.

Künstlermuseum Heikendorf. Teichtor 9. Eröffnung Sonnabend, 17 Uhr. Bis 22. November. Di-Sa 14-17, So 11-17 Uhr.

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