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Vergänglichkeit und andere Schönheiten

Künstlermuseum Heikendorf Vergänglichkeit und andere Schönheiten

So etwas hat Sabine Behrens bislang noch nicht erlebt: Fix und fertig war das Miniaturmodell, das Wolfgang und Daniela Wehrmeier der Leiterin des Künstlermuseums Heikendorf vor zwei Jahren von ihrer geplanten Ausstellung präsentierten. Gemeinsam mit dem Holzschneider Gerhard Hermanns (1935-2015) planten die beiden Fotografen aus Dithmarschen eine Schau über das Sein und das Vergehen, die jetzt umgesetzt wurde.

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Die Künstler Wolfgang und Daniela Wehrmeier mit ihren fotografischen Arbeiten.

Quelle: Manuel Weber

Heikendorf.  Um den erst 2014 eröffneten Anbau nicht brach liegen zu lassen, hat die Museumsleiterin mit Regine Haack eine vierte Künstlerin einbezogen, deren Arbeiten zum Thema passen. Wie alles sich verändert heißt die ansprechende Schau, die mit traditioneller Grafik, Ölmalerei und Fotografie drei bedeutende Felder der bildenden Kunst abdeckt, ohne sie miteinander zu vermischen.

 Die Fotoarbeiten schwingen dank einer sinnfälligen Deckenkonstruktion luftig im Raum. Entstanden sind sie 2007 im Rahmen eines Gemeinschaftsprojektes, mit dem das Ehepaar das Thema Vergänglichkeit auf poetische Weise sichtbar macht. Blätter und Pflanzen aus dem Garten, auf einem Leuchttisch zu Bildern komponiert, wurden und über zwei Wochen dem natürlichen Verfall ausgesetzt. „Mit der Kamera haben wir die Veränderungen festgehalten und festgestellt, dass auch die Vergänglichkeit schön sein kann“, erzählt Daniela Wehrmann. Tatsächlich könnte der Reiz des Zerfallens von Farben und Formen kaum eindrücklicher anschaulich gemacht werden. In großformatigen Kompositionen und Detailaufnahmen wandelt sich sattes Grün in leuchtendes Ocker oder fahles Braun, pralle Oberflächen lösen sich auf in filigrane Strukturen, dazu setzt gestautes Kondenswasser malerisch-abstrakte Akzente.

 Auf ganz andere Weise setzt sich Gerhard Hermanns in seinem Zyklus Letzte Landschaften mit der Vergänglichkeit auseinander. „Wir haben festgestellt, dass die Landschaft sich mit den Jahren verändert – durch den Verschleiß, den wir uns leisten“, so seine Witwe Helene. In kleinen Bildserien von Kanälen, Knicks oder Uferlandschaften verweist der Dithmarscher durch sukzessives Wegschneiden der Hauptmotive dezent auf die Zerstörung der Natur. Auffallend ist dabei die transparente Gestaltung seiner Farbholzschnitte, die auf plakative Flächigkeit verzichten und die Maserung des Holzes zum Teil des Bildgegenstandes machen.

 Zwischen Naturalismus und Abstraktion ordnet sich die Bildwelt von Regine Haack. Die Heikendorfer Bildauswahl lässt die künstlerische Entwicklung der Kielerin erkennen. Während jüngere Arbeiten zunehmend von doppelbödig „überblendeten“ Landschaften geprägt sind, strahlen in älteren Bildern Pflanzen und Blumen, gemalt mit fotografischer Akkuratesse, vom geweißten Malgrund. Unter dem Weiß zeichnen sich schemenhaft Umrisse von Skulpturen und Ornamenten der Kulturgeschichte ab, die dem Dargestellten eine weitere Bedeutungsebene verleihen. „Mit dem ersten Blick kann man diese Bilder nicht erfassen“, so Behrens. „Man muss immer auch das Dahinter sehen.“

  www.kuenstlermuseumheikendorf.eu

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