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Vielfältig, aber nicht beliebig

Künstlermuseum Heikendorf Vielfältig, aber nicht beliebig

Er zählt zu den weniger bekannten Vertretern der Künstlerkolonie Heikendorf, doch die eher bescheidene Popularität von Rudolf Behrend (1895-1979) ist keinesfalls auf seinen Mangel an künstlerischen Fähigkeiten zurückzuführen. Stiller Weg zu Neuem heißt die Sommerausstellung im Künstlermuseum Heikendorf, mit der die Kuratoren Sabine Behrens und Henning Repetzky den Facettenreichtum im Schaffen von Behrend in den Mittelpunkt rücken.

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Sabine Behrens erläutert im Ausstellungsraum die Stilvielfalt Rudolf Behrends.

Quelle: ehr - Marco Ehrhardt

Heikendorf. Über 70 Gemälde und Grafiken zeigen eine künstlerische Vielfalt, die keiner Chronologie gehorcht. „Die Kunst von Rudolf Behrend ist vielfältig, aber nicht beliebig“ , so die Museumsleiterin. „Er probierte sich aus und arbeitete alles sorgfältig durch.“ Und so hängen realistisch gestaltete Landschaften neben kubistisch geprägten Figurendarstellungen, abstrakte Arbeiten neben Porträts, in denen die Neue Sachlichkeit genauso aufblitzt wie Anklänge an den Im- und Expressionismus.

 Auf seinem künstlerischen Weg hatte Behrend es nicht immer leicht. Der Bauernsohn aus Neuheikendorf musste kämpfen, um eine Ausbildung als Dekorationsmaler durchzusetzen. Der Ausbruch des 1. Weltkrieges machte seine Pläne zum Besuch einer Kunstschule vorerst zunichte. Doch in den 20ern kann er das Versäumte in einem Gaststudium an der Kunstgewerbeschule Kiel nachholen, wo er unter anderem bei Werner Lange und Heinrich Blunck Anregungen zur Landschaftsmalerei erhält. Bis zum Ausbruch des 2.Weltkrieges knüpft er künstlerische Kontakte, verkauft sein erstes Bild für 30 Mark und macht sich in seinem erlernten Handwerk als Glaser, Maler und Lackierer selbstständig. Nach Kriegsende ist er ausschließlich als freischaffender Kunstmaler tätig, 1955 folgt in Kiel seine erste Einzelausstellung.

 Zurückgezogen in einer Kate in Neuheikendorf arbeitet Behrend fortan im Stillen und ist dabei stets offen für Neues, abzulesen auch anhand seiner Grafiken, die neben einer stilistischen Vielfalt einen bunten Strauß an Techniken offenbaren. „Behrend gehört zu der Generation, die durch ihre Teilnahme an zwei Kriegen viele Träume aufgeben musste“, so Behrens. „Als Künstler war er jedoch ein Getriebener. Er musste einfach malen. Ob er etwas verkaufen konnte, war ihm egal.“

 (Künstlermuseum Heikendorf, Am Teichtor 9. Eröffnung 6. Juni, 17 Uhr. Bis 30. August. Di-Sa 14-7 Uhr, So 11-17 Uhr).

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