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Soziale Prozesse statt Monumente

Kulturausschuss Kiel Soziale Prozesse statt Monumente

Die Hamburger Stadtkuratorin Sophie Goltz stellte am schärfsten heraus, in welchem Spannungsfeld Kunst im öffentlichen Raum sich heute bewegt. Als eine von sechs Referenten war sie einer Einladung des Kulturausschusses unter Vorsitz von Dirk Scheelje (Grüne) am Dienstagabend gefolgt.

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Gelungenes Beispiel für Kunst im Stadtraum: Wasserspiele von Jeppe Hein.

Quelle: Jan Köhler-Kaeß

Kiel. Um „Formate und Inhalte von Kunst im öffentlichen Raum“ ging es in der öffentlichen Veranstaltung im Neuen Rathaus, bei der im Publikum viele Reihen unbesetzt blieben und auch das Interesse von Künstlerseite nur punktuell war.

Sophie Goltz, die auch in der Vortragsreihe Blow Up von Muthesius Kunsthochschule und Stadtgalerie schon in Kiel zu Gast war, zeigte am Hamburger Beispiel auf, welche Fragen sich heute die Kunst im urbanen Raum stellen muss, der zusehends kommerzialisiert werde. Die Definition, die die Idee der Siebziger- und Achtzigerjahre begründet habe, existiere in dieser Form nicht mehr, so Sophie Goltz. Jetzt gelte es nicht länger Kunstwerke anzustoßen, sondern soziale Prozesse. Und bei denen, das zeige aktuell die Diskussion um den Abriss der Esso-Häuser auf St. Pauli, hätten zu Recht auch die Kiez-Bewohner ein Wörtchen mitzureden. So standen am Ende ihres differenzierten Vortrags mehr Fragen als Antworten.

Selbstbewusste Töne aus Berlin

Solche kritischen Töne hörte man von Martin Schönfeld vom Büro für Kunst im öffentlichen Raum des BBK-Berlin nicht. Auch er unterstrich wie zuvor Sophie Goltz zwar die Notwendigkeit, sich vom Monument oder von Skulpturenparks zu lösen und auf temporäre Projekte zu setzen. Doch anders als die Hamburgerin, die „schlechte Qualität“ der Bewerbungen für Projekte im Stadtraum bemängelte, scheint in Berlin das Niveau der Wettbewerbsentwürfe zu stimmen, scheinen sich die Hauptstadtkünstler durch „selbstständige Positionen“ auszuzeichnen. Klar, dass Schönfeld als Leiter des BBK-Büros nicht von jenem Mittelmaß oder kunstverbrämter Stadtmöblierung spricht, das auch in manchem Berliner Bezirk anzutreffen ist.

Schade, dass Chili Seitz, die als Künstlerin für den BBK-Schleswig-Holstein referierte, zu zurückhaltend blieb und lediglich mit der Forderung schloss, dass man Künstler frühzeitig in Projekte einbeziehen müsse. Kunst dürfe eben nicht nur eine Brosche sein, die man sich anstecke. Kaum Grundsätzliches zum Thema steuerte Prof. Christiane Kruse (Muthesius Kunsthochschule). Sie warf die Frage in den Raum, wie „Kiel denn eigentlich in Sachen Kunst im öffentlichen Raum ticke“. Als Lehrende vor Ort hätte sie wissen können, dass die Stadt über das demokratisch besetzte Gremium des Kunstbeirats verfügt. Wolfgang Zeigerer, der als Leiter der Stadtgalerie Geschäftsführer des Beirats ist, erinnerte an wichtige und qualitativ ausstrahlende Projekte, die eben dieser Kunstbeirat begleitet hatte. Darunter die Wasser-Installation des dänischen Künstlers Jeppe Hein. Sie wäre 2004 ohne die vehemente Fürsprache des Kunstbeirats nicht realisiert worden. Die Diskussion soll lauts Scheelje im Herbst fortgesetzt werden, wenn es um „Finanzierungsstrategien für Kunst im öffentlichen Raum“ geht.

Vortrag

Reihe „Blow Up“ am heutigen Donnerstag, 19 Uhr, Stadtgalerie. Der Berliner Künstler Roland Fuhrmann spricht über sein „Raumgemälde“ für die Eingangshalle der Chemischen Institute der Universität Dresden.

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