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Studnitzky schlug den Bogen vom Jazz zur Klassik

Kulturforum Kiel Studnitzky schlug den Bogen vom Jazz zur Klassik

Als einem der wenigen Jazzmusiker gelingt es dem Trompeter und Pianist Sebastian Studnitzky derzeit, sein Genre überzeugend mit der Klassik zu verschmelzen. Zusammen mit seinem Trio und dem Streichquartett Berliner Camerata sorgte er am Donnerstag im Kultur-Forum für einen faszinierenden Konzertabend.

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Dass ausgerechnet der deutsche Jazztrompeter und -pianist Sebastian Studnitzky beweist, dass es auch anders geht, hängt mit der dritten Zutat zusammen, die er bei seinem Crossover verwendet: dem Groove.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Der Versuch, Jazz und Klassik zu vermählen, hat eine lange Geschichte, und diese ist vor allem eine Geschichte des Scheiterns. Von Duke Ellington bis hin zu Wynton Marsalis haben sich Protagonisten des ersteren Genres daran versucht, Komposition und Improvisation miteinander zu verbinden – in der Regel mindestens um den Preis der Langeweile.

Dass ausgerechnet der deutsche Jazztrompeter und -pianist Sebastian Studnitzky beweist, dass es auch anders geht, hängt mit der dritten Zutat zusammen, die er bei seinem Crossover verwendet: dem Groove. Auf seinem aktuellen Album Memento macht er dem Untertitel Orchestral Experience alle Ehre, indem er seine Band auf das Südwestdeutsche Kammerorchester treffen lässt. Dass das musikalische Ergebnis im besten Sinne des Wortes nicht zu fassen ist, hängt vor allem mit der Eigenständigkeit beider Ensembles zusammen. Im Kultur-Forum ist am Donnerstag das Kleinformat des Großformats zu erleben. Den Platz des Orchesters nimmt hier das Streichquartett Berliner Camerata an der Seite von Studnitzkys Trio Platz. Die Konzertbesetzung erinnert so eher an das Album KY - The String Project von 2013, dessen Kompositionen auf Memento ohnehin teilweise wieder aufgenommen – nur dass dieses ohne Drums auskommt.

Die Musik swingt, sie groovt, sie flirrt

Für den Opener Waves scheint die Camerata tatsächlich Wellenbewegungen zu imitieren und kleidet diese in einen melancholisch gefärbten Minimal-Klang ein. Studnitzky präsentiert an der Trompete eine kurze, schwerelose Improvisation und wechselt dann ans Klavier, um mit seinem Trio entspannt zwischen Jazz und analoger Electronica zu vermitteln. Im Wechselspiel der Stile, das durch elegante Raumklang-Bewegungen sowie durch ständige Besetzungs- und Tempivariationen ergänzt wird, entsteht so eine Musik, die fremd und vertraut zugleich wirkt. Immer wieder verbreiten die Streicher Soundtrack-Feeling, erlebt man parallel ein ganz konventionelles Jazz-Trio. Und manchmal scheint der Zusammenklang in eine höhere Form von Lounge-Musik zu münden. Aber in dieser Kombination hat man so etwas dann doch noch nie gehört. Das Publikum lässt sich unmittelbar von Studinitzkys Fusion gefangen nehmen, und charmanterweise signalisiert nach dem ersten Stück auch die Camerata den Jazzern Zuspruch, indem ihre Mitglieder ganz klassisch mit den Bögen „applaudieren“. Das zweite Stück Structures reicht längenmäßig aus, um die erste Konzerthälfte zu füllen und überzeugt erneut mit einem solchen Reichtum von Ideen, dass Studnitzky in der Pause reichlich CDs verkauft.

Allein am Klavier leitet er dann die zweite Hälfte ein, die ähnlich intelligent und seelenvoll verläuft. In einem Moment verwandelt sich die Camerata in eine Pizzicato-Formation, im nächsten präsentiert Paul Kleber ein wunderbar lyrisches Bass-Solo oder Drummer Tim Sarhan verbindet Virtuosentum mit Rave-Bewusstsein. Die Musik swingt, sie groovt, sie flirrt – und man spürt dabei, dass sie sowohl dem Septett auf der Bühne wie auch den Zuhörern davor zu Herzen geht. Zur Zugabe spielt Sebastian Studnitzky eine seelenvolle Kammermusik-Version der Ballade Solbakken. Als der Applaus danach immer noch nicht aufhören will, kommt er noch einmal nach oben: Sie würden ja gerne weiterspielen – andererseits sei der Abschluss jetzt einfach zu stimmig gewesen. Dass dies sofort jeder einsieht, spricht für sich.

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