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Swingende Talentschau

Kulturforum Swingende Talentschau

Willkommen in Kiel Swinging City! Dies ist die Stadt, in der man am Abend im Kultur-Forum eincheckt und sich vorkommt, als wäre man auf Zeitreise in Richtung Kansas City unterwegs.

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Swing dominierte im Kieler Kultur-Forum.

Quelle: Thomas Dittner

Kiel. Die Band auf der Bühne ist so hot, dass den Musikern Zustimmungs-Shouts entfahren, wenn einer ihrer Dudes gerade sein Solo bläst. Das Bariton brummt wie ein Laster auf Super, das Altsaxofon quietscht durch den Saal wie ein mit Jazz gefüllter Luftballon. Und ganz unter uns: Auch wenn im Landesjugendorchester satzungsgemäß ausschließlich nachwachsende Talente musizieren, hört man ihnen doch erheblich lieber zu als den Profis von der öffentlich-rechtlichen Bigband aus der Nachbarschaft.

Unter der versierten Leitung von Jens Köhler demonstriert das LJO seinen zahlreich erschienenen Gästen ein Format, das kontinuierlich beeindruckt. Die Basis hierfür bilden zum einem die scharfen Arrangements, die hier stets blitzsauber umgesetzt werden. Ebenso aber fasziniert die Mischung aus Hochbegabung und Spielfreude, die alle Mitglieder des Orchesters auszeichnet. Exemplarisch könnte man beispielsweise auf Sebastian Sprottes bluesgetränktes Tenorsaxofon hinweisen, das der Solist in Wayne Shorters Palladium sehr sicher zwischen High-Energy-Spiel und Strukturarbeit platziert. Ober auf das konzentrierte Flügelhorn von Cornelius Krüger, der in Burt Bacharachs Alfie nicht nur überraschende Tempi- und Ventiltricks demonstriert, sondern dem auch der stimmungsmäßige Wechsel von der Straightforward-Nummer zur Ballade gelingt. Nicht zu vergessen natürlich Konstantin Kappes wunderbar konturierte-Posaunen-Improvisation über den Standard I Got A Right To Sing The Blues, der hier keinesfalls wie eine Etüde wirkt – all dies ideal eingebettet in den hochvitalen XXL-Sound der restlichen LJO-Musiker.

Man hat im Laufe des auch dramaturgisch optimal verlaufenden Konzerts also ohnehin allen Anlass zum Staunen. Für die Krönung jedoch sorgt Gastsängerin Lilly Ketelsen. Mit gerade einmal Anfang 20 verfügt die Lübeckerin über eine charaktervoll vitale Altstimme und Bühnenpräsenz. Mit enormer Verve lässt sie Klassiker wie Almost Like Being In Love, Street Life oder Honeysuckle Rose unglaublich freudvoll und frisch klingen. Ein sprühendes Meisterstück für sich ihre Version des durch Björk wiederentdeckten Hits It's Oh So Quiet. Maximaler Beifall für eine hart swingende Talentschau.

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