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Hebbel-Briefe für die Landesbibliothek Im literarischen Netzwerk

Den ersten Brief von Friedrich Hebbel (1813-1863) erwarb die Landesbibliothek SH im Rahmen des Aufbaus der Handschriftenabteilung 1926. Ausgangspunkt für eine Sammlung, die seither systematisch Manuskripte und Briefkonvolute des Dramatikers und Lyrikers aus Wesselburen zusammengetragen hat.

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Schatzgräber: (v.li.) Anke Spoorendonk, Martin Langner, Hebbel-Präsident, und Hargen Thomsen, Hebbel-Sekretär.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Gestern wurde sie durch drei Briefe ergänzt, die die Hebbel-Gesellschaft Wesselburen mit Unterstützung der Landeskulturstiftung erwerben konnte. Als „unser literarisches Gedächtnis und das zentrale Literaturarchiv Schleswig-Holsteins“, würdigte Kulturministerin Anke Spoorendonk die Institution, die auch die Nachlässe von Theodor Storm, Detlev von Liliencron und Klaus Groth verwahrt. Und die Briefe, die Spoorendonk an Landesbibliotheksdirektor Jens Ahlers und die Leiterin der Handschriftenabteilung, Maike Manske, übergab, sieht sie hier am richtigen Ort.

 Gelegenheit auch für Ahlers, auf eine schon einige Monate zurückliegende freundliche Übernahme zu verweisen: Denn seit einiger Zeit lagern auch die Bestände aus dem Hebbel-Museum in Wesselburen sowie die Kieler Hebbelsammlung, die lange am Literaturwissenschaftlichen Institut der Kieler Uni betreut wurde, bevor sie auch nach Wesselburen ging, in der Landesbibliothek. Rund 2000 Briefe, 400 Werkmanuskripte und Lebensdokumente, zur Anschauung gestern eindrucksvoll in 40 Kästen über eine Reihe Tische gestapelt. Ein Coup, der noch auf Kornelia Küchmeister, die langjährige, 2015 verstorbene Leiterin der Handschriftenabteilung, zurückgeht, und der den Bestand der Landesbibliothek zur größten Hebbel-Sammlung neben dem Goethe-Schiller-Archiv in Weimar macht.

 Die umfangreiche Familienkorrespondenz findet sich ebenso wie der rege Austausch mit Zeitgenossen wie Klaus Groth, Heinrich Heine oder Hebbels Hamburger Verleger Julius Campe. An den ging auch einer der drei neu erworbenen Briefe. Und der, so erläuterte Hargen Thomsen, Sekretär der Hebbel-Gesellschaft, gebe 1847 mit seinem gereizten Tonfall Einblick in das schwierige Verhältnis zwischen Autor und Verleger. Übrigens der letzte Brief, bevor eine rund zehnjährige Funkstille eintrat, bis Hebbels letzte Werke dann wieder in Hamburg erscheinen konnten. „Das war eine Entdeckung“, so Thomsen, „jeder Brief ist ein Mosaiksteinchen für die Forschung.“

 Die Aufarbeitung obliegt nun Maike Manske, die in dem Material zur Literatur- und Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts reiches Potenzial sieht. Um nur einen Aspekt zu nennen: „Die Briefe zeigen Hebbel, der damals der bedeutendste Dramatiker war, auch als Teil eines großen literarischen Netzwerks.“

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Ein Artikel von
Ruth Bender
Kulturredaktion

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