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Jan Plewka ließ sich überraschen

Kulturrausch 2016 Jan Plewka ließ sich überraschen

Blaue Blume, Revoluzzer-Songs, Großstadt-Romantik, Blues, all das steckt in der blauen Dose, die Jan Plewka durchs Publikum im gut besuchten KulturForum reicht. Die Setlist bestimmt beim Kultur-Rausch-Konzert „Between The Bars“ zusammen mit Plewkas Freund und Weggefährten Marco Schmedtje das Publikum durch Ziehen von Zetteln aus der Dose.

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Jan Plewka ist öfter Gast in Kiel.

Quelle: Michael Kaniecki

Kiel. Blaue Blume, Revoluzzer-Songs, Großstadt-Romantik, Blues, all das steckt in der blauen Dose, die Jan Plewka durchs Publikum im gut besuchten KulturForum reicht. Die Setlist bestimmt beim Kultur-Rausch-Konzert „Between The Bars“ zusammen mit Plewkas Freund und Weggefährten Marco Schmedtje das Publikum durch Ziehen von Zetteln aus der Dose. Was dabei herauskommt, Neues wie ganz Altes, überrascht auch zuweilen das Duo. Wie waren da noch die Akkorde ...?
 
Los geht’s sinnigerweise mit Simon & Garfunkels „Old Friends“. Denn das sind Jan und Marco, sich blind verstehend, wenn ersterer seinem rauen Tenor engelhafte Flügel verleiht, und letzterer lagerfeurig sanft bis klampfend ruppig in die Saiten der akustischen Gitarre greift. Auch das zweite Lied stammt aus der Feder von Simon & Garfunkel: die Eloge an „Mrs. Robinson“. Und als wären auch Jan & Marco in jene reife Frau aus der „Reifeprüfung“ verliebt gewesen, singen sie den Evergreen so kraftvoll zart, dass man meint, Simon & Garfunkel seien just wiederauferstanden. Dazu passt dann auch Los-Nummer Drei, Rio Reisers „Lass uns ’n Wunder sein“. Das sind Jan & Marco, wie man sich im Publikum flüsternd einig ist und erst mit Nummer Sechs, „Im Grunde“ von Plewkas und Schmedtjes Band-Projekt Zinoba, einen eigenen Song der beiden aus der Dose zaubert.
 
Beschwingt bis bluesig beseelt geht es weiter zwischen den vier unterschiedlichen Singer/Songwriter-Sphären, die einander doch so verwandt sind – oder hier werden: Simon & Garfunkel (wunderbar relaxet: „The Boxer“), Rio Reiser & Ton Steine Scherben (kämpferisch: „Mein Name ist Mensch“), Jan Plewkas vielleicht bestem Solo-Album „Zuhause, da war ich schon“ und Marco Schmedtjes Solo-Debüt „Schöne Geister“. All das ist große und zugleich spielfreudig improvisierte Liedermacherkunst, die den Gewährsleuten nicht nur nahe kommt, sondern deren Liedgeister wie aus einem Jungbrunnen wiedererweckt.
 
Selbst so alte, aber immer wieder junge Kamellen wie die Hymne aller Hausbesetzer: Ton Steine Scherbens „Rauch-Haus-Song“. Den Refrain „Ihr kriegt uns hier nicht raus! Das ist unser Haus!“ singt das Publikum begeistert mit. Für einen Augenblick ist Kiel Kreuzberg, und Plewka und Schmedtje sind mit Rio Brecht und Weill. Ein Wunder-Duo – nicht nur aus der blauen Dose.

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